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Geschichte von Krylowo - Nordenburg

• Die Stadt ist an der Swine (Aschwöne) gelegen, 2,5 km vom Nordenburger See entfernt, der früher einmal vermutlich bis an die Stadt heranreichte, dann verlandete und sumpfigem Wiesengelände Platz machte.

• Besiedlung der Gegend bei Nordenburg schon in vorgeschichtlicher Zeit, belegt durch Funde von Urnen, Steinäxten und Skeletten in Nordenburg sowie einem Gräberfeld bei Werder südlich von Nordenburg am Nordenburger See.

• Auf dem Hexenberg, ca. 1 km nördlich der Stadt und von der Swine umflossen, gab es eine prußische Festung. Hier wurde ein prußisches Heiligtum vermutet.

• Mehr zur Stadt hin und ebenfalls von der Swine umflossen entstand ein Wildhaus, wohl schon 1305 gebaut, jedoch erst 1366 erstmals erwähnt. 1368 wurde das Wildhaus zur Burg erweitert und Kuno von Hattenstein als Pfleger in Nordenburg genannt. Von beiden Bauwerken gibt es keine Spuren mehr. Die Ordensburg ist möglicherweise bei einem Angriff durch die Litauer unter Fürst Kynstut noch vor 1370 (Schlacht bei Rudau) stark zerstör worden. Ein Teil der Burgmauern könnte auch vom Herrenhaus der Familie von Schlieben vereinnahmt worden sein.[1]

• Für 1336 wurde von einem Chronisten berichtet, dass Fürst Kynstut bei Nordenburg raubte und Gebäude einäscherte.

• Zwischen 1374 und 1383 verlieh der Oberste Marschall Rüdiger von Elner 30 Hufen an zehn prußische Freie. Die Siedlung wuchs vermutlich weiter und wurde so Aspirant einer Stadtgründung

• 1405 Auftrag zur Stadtgründung an einen Lokator durch den Obersten Marschall Ulrich von Jungingen und 1407 Verleihung der Stadtrechte durch denselben, inzwischen Hochmeister, überreicht an den Schulzen Nitsche Döring. Dabei Verleihung der niederen Gerichtsbarkeit.

• In der Anfangszeit der städtischen Siedlung gelang es den Bürgern nicht, Bauern zur Bewirtschaftung ihrer Flächen zu gewinnen. Sie gaben deshalb nach Jahrzehnten 60 Hufen Land an den Orden zurück, der auf diesen Flächen 1445 den Ort Truntlack begründete

• Seit 1407 existierte in Nordenburg ein Kloster des Ordens der Predigtbrüder, das aber 1428 seinen Sitz nach Gerdauen verlegte, weil sich selbst die Mönche in dieser Wildnis nicht halten konnten.[2]

• 1469 wurde u. a. der Besitz an Nordenburg als Ausgleich für ausstehende Soldzahlungen „freierblich und ewiglich“ an die Ritter Georg und Christoph von Schlieben verliehen, die ihrerseits Christian von Schlieben als Lehnspatron benannten. Nach dem Tod Georgs von Schlieben (um 1477) übernahmen seine Söhne das Erbe, doch weitere Nahrichten fehlen zunächst. Im Jahr des Stadtbrands 1523 erfolgte ein Erbvergleich über die Gerdauen-Nordenburgschen Güter. Dabei gelangte die Stadt Nordenburg unter die Herrschaft von Dietrich von Schlieben (gest. 1534) Einzelheiten zur genealogischen Folge und der wirtschaftlichen Entwicklung der Herrschaft Nordenburg siehe Wulf D. Wagner, „Kultur im ländlichen Ostpreußen. Geschichte, Güter und Menschen im Kreis Gedauen“, Band 2, Husum 2009, S. 896 ff

Stadtbrand 1523, 1564 und 1705, bei dem auch die Kirche eingeäschert wurde, 1770

• Katharina von Schlieben, geb. Burggräfin zu Dohna, Gattin von Eustachius von Schlieben, stiftete 1611 ein Hospital, das bis in unsere Tage existierte. Nach ihrem Tod um 1631 erlosch die Linie v. Schlieben-Nordenburg und die Besitzungen gingen an die Stadt über. Im Herrenhaus am Schlossberg, gebaut unter Dietrich von Schlieben, dem Nachfolger Christians, wohnte nie wieder ein Mitglied der Familie von Schlieben

• 1695 suchte ein Jahrhundert-Unwetter mit starkem Hagelschlag und Hagelkörner in Hühnereigröße die Stadt und ihre Umgebung heim und zerstörte sämtliche Getreidefelder, dazu Bäume, Scheiben und Dächer. Auch das Dach der Kirche wurde ruiniert, während die Nordenburger dort Zuflucht genommen hatten. Bäche von Regenwasser ergossen sich über den Altar. 1705 brannte die ganze Stadt ab, wobei auch die Kirche eingeäschert wurde.[3]

• 1710 grassierte auch in Nordenburg die Pest. Es starben fast die Hälfte der Bewohner

• 1714 Verlegung einer Garnison in die Stadt

• 1718 wurde ein Streit um die Fischereigerechtigkeit zwischen der Stadt Nordenburg und Ernst Sigmund Graf von Schlieben.-Birkenfeld gütlich beigelegt. Fortan durften die Nordenburger tagsüber, nicht jedoch nachts, in der Swine und auf dem Nordenburger See fischen

• 1757 Besetzung der Stadt durch die Russen

-p-In der Nacht vom 13. zum 14. Juni 1820 zerstörte ein Großbrand in Nordenburg 60 Häuser, darunter das Rathaus samt den Räumen des Magistrats mit allen Akten und des Stadtgerichts, dem Gefängnis und der Wohnung des Gefängniswärters, sowie 40 Wirtschaftsgebäude. Im Jahr darauf brannte es erneut, wobei 46 Wirtschaftsgebäude den Flammen zum Opfer fielen[4].

• Eine Choleraepidemie forderte 1852 in der Stadt 200 und 1861 noch einmal 150 Tote. Dennoch stieg die Zahl der Einwohner, die 1820 noch bei etwa 1500 Seelen gelegen hatte, auf 2.401 im Jahr 1857(1858. [5]

• Anschluss an das Eisenbahnnetz 1898 mit Verbindung nach Königsberg und Angerburg

• seit 1905 wurde die Mühle von Fritz Jensen als Dampfmühle betrieben und war zugleich eines der ersten Elektrizitätswerke in Ostpreußen. Dieses belieferte einige Haushalte mit 110 Volt, während das Überlandwerk Friedland Strom mit 220 Volt zur Verfügung stellte

• Gleich zu Beginn des 1. Weltkriegs wurde in der Nacht vom 23. zum 24. August 1914 der Wasserturm von russischen Soldaten gesprengt. Die Bevölkerung floh zum größten Teil. Vom 10. – 13. 9. 1914 wohnten General v. Hindenburg und sein Generalstabschef Ludendorff im Postgebäude von Nordenburg. Die Stadt blieb im 1. Weltkrieg von größeren Zerstörungen verschont. Dennoch übernahm der Stadtteil Grunewald von Berlin die Patenschaft für den Wiederaufbau

• Im Jahr 1933 lebten in Nordenburg acht jüdische Familien. Ihrem Schicksal ging Marianne Hansen in ihrem Buch „Eine verlorene Kultur- Kirchspiel Nordenburg“ nach[6]

• Bei der Aufteilung Ostpreußens nach dem 2. Weltkrieg wurde Nordenburg dem russischen Bereich zugeordnet, während der nahe Nordenburger See bereits zum polnischen Teil gehört

• Die Stadt fiel der Sowjetarmee am 25. 1. 1945 vollkommen unzerstört in die Hände. Eigentlich sollte sie den Polen übergeben werden, doch die Militärs wollten über die strategisch wichtige Kreuzung der Reichstrassen 131 und 139 nicht verzichten und zwangen die Polen zum Abzug. Vermutlich aus Wut darüber zündeten diese die ganze Altstadt an und vernichteten sie.[7] Aufgrund dieser umfassenden Zerstörungen verlor Nordenburg den Status einer Stadt



[1] Wulf D. Wagner, Gerdauen II, S. 894

[2] Siehe auch Wulf D Wagner, Gerdauen II, S. 895 f

[3] Wulf D. Wagner, Gerdauen I, S. 77

[4] Wulf D. Wagner, Gerdauen I, S. 118

[5] Wulf D. Wagner, Gerdauen I, S. 119

[6] Wulf D. Wagner, Gerdauen I, S. 208

[7] Wulf D. Wagner, Gerdauen I, S. 237

 
 
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