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Garbno - Laggarben

Die Gegend um Laggarben ist uraltes Siedlungsland. Schon zur Prußenzeit soll auf dem hiesigen Wollberg nördlich des Dorfes eine prußische Burg gestanden haben. Um 1384 stand hier ein Wildhaus als Teil einer Befestigungskette. Erstmalig wurde Laggarben 1371 und 1374 mit Hinweis auf die prußische Familie von Schaffstädt, die in Laggarben ein Bauerngut besaß, urkundlich erwähnt. Vermutlich ging den Schaffstädts das Gut im Städtekrieg 1454 – 1466 verloren. Doch am 10. April 1545 konnte Christoph I. von Schaffstädt (gest. um 1570), Herr auf Wangnicken im Amt Rastenburg und Amtshauptmann zu Taplacken, Gut Laggarben durch Verschreibung von Herzog Albrecht für die Familie zurück gewinnen.

Unter Wilhelm Friedrich von Schaffstädt (gest. vor 1732) wurde im frühen 18. Jh. ein kleines Gutshaus errichtet. Der Bevölkerungsschwund durch die Große Pest um 1709 führte dazu, dass einige wüste Bauernhufen in Laggarben dem adligen Gut zugeschlagen wurden.

Der Sohn Gottfried Bernhard von Schaffstädt (1702/04 – 1747) starb unverheiratet und mit ihm erlosch die Hauptlinie der Familie von Schaffstädt. Als Reaktion auf diesen Umstand wurde das Gut versteigert und von Georg August von Troschke für 30.500 Gulden erworben. Nach 1765 verkaufte er den Besitz und es folgten verschiedene Besitzer, bis 1811 Karl Heinrich Jungschulz von Roebern (1784 – 1828), Sohn des Justizdirektors beim Stadtgericht in Elbing, das Eigentum an Laggarben erwarb.

Letzter deutscher Eigentümer des Gutes war Werner Jungschulz von Roebern (1885 – 1950). Er weitete das Gutsareal von 789 ha im Jahr 1895 bis auf 1.170 ha nach dem 1. Weltkrieg aus und verfügte zuletzt über 828 ha. Laggarben war berühmt für seine Jagden und viele Familienmitglieder derer von Roebern waren begeisterte Waidmänner. Im Herbst fand regelmäßig die alljährliche große Treibjagd auf Fasane, Hasen, Wildschweine und auch Rehe statt und ansonsten bildete die Fasanenjagd einen Schwerpunkt. Werner Jungschulz von Roebern widmete sich aber ebenso intensiv der Gutswirtschaft, betrieb eine bemerkenswerte Trakehnerzucht, führte umfangreiche Entwässerungs- und Drainagearbeiten durch und modernisierte und elektrifizierte den Betrieb. 1927 stellte Werner Jungschulz von Roebern dem Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg einen Viererzug, dem besonderen Stolz des Gutes, zur Verfügung, mit dem der Reichspräsident zusammen mit Erich Ludendorff anlässlich der Einweihung des Tannenbergdenkmals eine Ehrenfront Soldaten abfuhr.

Zum Dorf gehörte eine neue Schule mit zwei Klassen und Lehrerwohnung. Daneben stand das Pfarrhaus und gegenüber der Straße die Kirche. Die Kirche aus dem Ende des 14. Jhs., im Ursprung eine beliebte Wallfahrtsstätte, war um 1710 so baufällig, dass erhebliche Reparaturen durchgeführt werden mussten. Nach Dehio erfolgte um 1800 eine weitere starke Überholungsphase, die mit erheblichen Veränderungen verbunden war. Seit langen Jahren zeugen nur noch die Grundmauern, ein Teil der Ostwand und das Erdgeschoß des Turms von der einstigen Schönheit dieses Gotteshauses. Von der Ausstattung soll eine Pietà aus der Mitte des 15. Jhs. im Museum von Heilsberg überlebt haben, alles andere wurde 1945 vernichtet.

Der Treck des Gutes ging am 26. Januar 1945 auf die Flucht und wurde bereits am zweiten Tag durch sowjetischen Beschuss auseinander gerissen. Die uralte Frieda Jungschulz von Roebern (1857 – 1952), geborene von Heyden-Nerfken, nahm mit 88 Jahren in einem schwarzen Verdeckwagen an der Flucht teil und gelangte bis nach Exten in Rinteln, wo ihre Urenkelin Ursula von Meien (1914 – 2007), geb. Jungschulz von Roebern, hingeheiratet hatte. Werner Jungschulz von Roebern, kam als Oberst im 3. Kubankosaken-Regiment der Division v. Pannwitz mit Glück durch den 2. Weltkrieg. Mit ihm und seinem Bruder erlosch die Familie Jungschulz von Roebern in der Hauptlinie.

Der Ort Laggarben wurde 1945 stark zerstört. Das Gutshaus hat den Krieg erstaunlicherweise lange überlebt, befand sich aber 1996 im Dachbereich bereits im Verfall, als im Erdgeschoss noch zwei Familien wohnten. Der Fachwerkbau des alten schönen Getreidespeichers stand 2002 noch. Ansonsten sind die Gutsgebäude verfallen oder bereits abgetragen.

Für Details siehe das Buch von Wulf D. Wagner, „Kultur im ländlichen Ostpreußen“ - Gerdauen, Band II, S. 794 - 810.

 
 
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