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Skandawa - Skandau

Das Dorf Skandau entstand auf dem Gelände von mehreren Freigütern, die im 14. und zum Anfang des 15. Jhs. verliehen wurden. So übergab z. B. Hochmeister Dietrich von Altenberg den Brüdern Santape und Joduthe im Jahr 1341 drei Haken im Felde Scandow. Gut Skandau ist eines der Stammgüter des prußischen Geschlechts der Bronsart. Am 24. August 1364 erhielten der Kämmerer zu Barten, Hinrik Bronsart (um 1325 – ca. 1380) und sein Bruder Claus, Söhne des Nykolas Brunsereyte-Modgarben, vom Hochmeister Winrich von Kniprode 10 kölnische Hufen bei Skandau. Weitere Verschreibungen folgten. Allerdings gab es im Skandau jener Zeit noch weitere Verschreibungen von Rittergütern, über die aber wenig Klarheit besteht. Nachdem der Amtshauptmann in Brandenburg am Haff und Hofrat, Georg von Bronsart (1505 – 1565) kinderlos starb, endete das Geschlecht dieser Familie in Skandau.

Der Grundbesitz der Bronsarts fiel vermutlich an die Familie von Königsegg, die bereits Land in Skandau besaßen, doch erst um 1700 in der Lage war, sämtlichen Gutsbesitz in Skandau in Besitz zu nehmen. Mit Kaufvertrag vom 27. Juli 1726 erwarb der königlich polnische Kapitän Christoph Abraham von der Groeben-Karschau (1691 – 1740) das Gut Skandau mit einer Fläche von rd. 77 Hufen. Sein Sohn, der Obermarschall, Präsident des Ostpreußischen Konsistoriums und Direktor der Schulkommission Friedrich Gottfried von der Groeben (1726 – 1799) veräußerte Skandau 1768 an den Kapitän a. D. Ludwig August von Ostau (1736 – 1787) und 1782 war der bekannte spätere Oberpräsident und Staatsminister von Ost- und Westpreußen, Hauptmann Friedrich Leopold Freiherr von Schroetter (1743 – 1815) aus Wohnsdorf, Kreis Bartenstein, der Besitzer, aber nur für kurze Zeit. Bereits 1786 übernahm Bogislaw Graf Dönhoff aus Dönhofstädt (1754 – 1809/10) die Besitzung Skandau. Sein erbender Sohn Stanislaus Reichsgraf von Dönhoff (1795 – 1816) fiel in einem universitären Duell. Durch Erbvereinbarung übernahm Sophie Gräfin v. Schwerin (1785 – 1863), geb. Gräfin Dönhoff, die Skandauischen Güter. In ihrer Zeit entstand das klassizistische Gutshaus 1826 - 1828 unter Mitwirkung von Karl Friedrich Schinkel, den sie vom Einbau einer Kapelle in ihr Berliner Palais kannte. Die Architektur erinnerte an Schloss Charlottenhof im Park von Sanssouci in Potsdam.

Durch Heirat gelangte das Gut von den Schwerins an die Familie Dönhoff. Es gehörte zuletzt Dietrich Graf von Dönhoff (1902 – 1991), Bruder von Marion Gräfin Dönhoff, der es von seinem kinderlos gestorbenen Onkel Stanislaus Graf von Dönhoff (1862 – 1929) geerbt hatte. Er war verheiratet mit Karin von Lehndorff (1910 – 2001) aus der Linie Preyl, Schwester des Widerstandskämpfers Heinrich Graf Lehndorff-Steinort, und er bewirtschaftete den alten Fideikommiss Friedrichstein, nachdem sein Bruder Heinrich Graf Dönhoff 1942 durch einen Flugzeugabsturz bei Kowno ums Leben gekommen war. Die Fläche des Gutes Skandau betrug etwa 2.200 - 2.400 ha. Karin Gräfin Dönhoff, die wegen der Teilnahme ihres Bruders am Stauffenberg-Attentat in einem Königsberger Gefängnis in Sippenhaft genommen worden war, aber zum Jahresende wieder freikam, konnte mit ihren vier Kindern nach Bremen flüchten. Friedrich Graf Dönhoff ging im Januar 1945 von Friedrichstein aus auf die Flucht und der Gutstreck unter Leitung von Oberinspektor Döring brach zur gleichen Zeit von Skandau auf, wurde jedoch schon bald von den Sowjettruppen überrollt und auseinander getrieben.

Das Gutshaus ist im Mai 1945 abgebrannt, nachdem man es zwischen 1930 und 1940 gerade aufwendig restauriert hatte. Die Steine verwandte man zum Wiederaufbau von Warschau. Den Platz des Gutshauses nahm seit den 1990er Jahren eine Schule ein, in der jedoch seit 2006 nicht mehr unterrichtet wird. Die alte Schule und die Windmühle waren abgerissen worden. Die alten Wirtschaftsgebäude verfallen, was insbesondere für den denkmalwürdigen Fachwerkspeicher sehr schade ist.

Graf Dietrich von Dönhoff starb im Oktober 1991 hoch betagt, nachdem er beim Beschlagen eines Pferdes, das ausschlug, schwer verletzt wurde.[1] Er hatte der Stadtgemeinschaft Königsberg 1980 die in seinem Besitz befindlichen fünf Bilder, Stiche und Zeichnungen von Immanuel Kant geschenkt, die jetzt im Museum Haus Königsberg in Duisburg ausgestellt sind.[2].

Der Nachbau eines Skandauer Kornspeichers aus dem 19. Jh. wird im Freilichtmuseum „Skansen“ in Hohenstein ausgestellt.

In Skandau endet die Eisenbahnlinie, die einst von Korschen nach Insterburg führte. Heute gibt es nicht mal mehr Personenverkehr bis hierher.

Der schöne Gutspark mit einer eindrucksvollen Blutbuche soll noch erkennbar sein. Er wurde seit 1828 von der Gärtnerfamilie Quooß angelegt und über drei Generationen gepflegt.[3]

Details zu Skandau siehe Wulf D. Wagner „Kultur im ländlichen Ostpreußen – Geschichte, Güter und Menschen im Kreis Gerdauen“, Band 1I, Husum Verlag 2008, S. 1141 – 1157

In Skandau wurde am 31. 3. 1938 der Schriftsteller Wolf Wiechert geboren. Nach der Flucht aus Ostpreußen lebte er zunächst in der Lausitz, verlegte nach dem Abitur in Bautzen seine Wohnsitz – republikflüchtig - von der DDR nach Schleswig-Holstein, studierte dann in Heidelberg und ist seit 1965 in Wertheim am Main ansässig. Für sein dichterisches Schaffen wurde er 1989 mit dem Kulturpreis der Stadt Wertheim, 1999 mit dem Lyrikpreis von Baden-Württemberg und 2008 mit der Stadtmedaille Wertheim geehrt. Im selben Jahr veröffentlichte er sein neuestes Werk, den Roman „Der Kaktus“, der durchaus autobiographische Züge trägt. Details siehe unter http://wolf-wiechert.de



[1] Wolf Wiechert, Vieles ist wie damals, Oprbl. Nr. 3/2006, S. 13

[2] Dr. Heinrich Lange in Königsberger Bürgerbrief, Winter 2007, S. 325

[3] Wulf D. Wagner, Gerdauen I, S. 131

 
 
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