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Die preußische Kolonie Großfriedrichsburg in Afrika und Otto Friedrich v. d. Groeben

In einem Anbau von 1705 auf der Nordseite des Doms liegt Otto Friedrich v. d. Groeben (16. 4. 1656– 30. 1. 1728, als Geburtstag werden auch der 1. und der 6. April genannt) mit seinen drei Ehefrauen begraben. Er wurde in Napratten, Krs. Heilsberg im Ermland, geboren, wo sein Vater Georg Heinrich von der Groeben, kurbrandenburgischer Offizier und Bruder des Majoratsgründers von Neudörfchen, gerade einquartiert war, und starb in Marienwerder. Die Mutter Barbara Dorothea war eine geborene v. Gattenhofen. Seine Jugend verbrachte Otto v. d. Groeben in Albrechtsdorf, Kreis Preußisch Eylau, wo er von einer Verwandten aufgezogen wurde. Nachdem er sich kurze Zeit bei seinem Vater, der gerade als Belohnung für seine Verdienste im Krieg gegen Polen zum Amtshauptmann von Marienwerder ernannt worden war, aufhielt, reichte man ihn weiter auf das Gut seines Onkels in Karschau, Kreis Rastenburg. Obwohl Protestant, besuchte er von hier aus die Jesuitenschule in Rößel.

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In einem Anbau von 1705 auf der Nordseite des Doms liegt Otto Friedrich v. d. Groeben (16. 4. 1656– 30. 1. 1728, als Geburtstag werden auch der 1. und der 6. April genannt) mit seinen drei Ehefrauen begraben. Er wurde in Napratten, Krs. Heilsberg im Ermland, geboren, wo sein Vater Georg Heinrich von der Groeben, kurbrandenburgischer Offizier und Bruder des Majoratsgründers von Neudörfchen, gerade einquartiert war, und starb in Marienwerder. Die Mutter Barbara Dorothea war eine geborene v. Gattenhofen. Seine Jugend verbrachte Otto v. d. Groeben in Albrechtsdorf, Kreis Preußisch Eylau, wo er von einer Verwandten aufgezogen wurde. Nachdem er sich kurze Zeit bei seinem Vater, der gerade als Belohnung für seine Verdienste im Krieg gegen Polen zum Amtshauptmann von Marienwerder ernannt worden war, aufhielt, reichte man ihn weiter auf das Gut seines Onkels in Karschau, Kreis Rastenburg. Obwohl Protestant, besuchte er von hier aus die Jesuitenschule in Rößel.

Mit siebzehn Jahren schloss er sich dem polnischen Edelmann Oberst Meglin an und reiste mit ihm nach Italien und zum Großmeister des Malteser-Ordens nach Malta, nach Ägypten, Palästina und Zypern. Er nahm an einer Kaperfahrt gegen die Türken teil und pilgerte ins Heilige Land. Während er in Spanien weitere Kriegsdienste leistete, beorderte ihn der Vater nach Ostpreußen zurück, um eine Anstellung am brandenburgischen Hof anzutreten. Auf großen Umwegen, die ihn durch Süd- und Mitteleuropa führten, gelangte er nach achtjähriger Abwesenheit zurück nach Preußen.

Bereits am 16. Mai 1681 war es dem brandenburgischen Kapitän Blonck gelungen, mit drei einheimischen Häuptlingen einen Handelsvertrag zu schließen, der es den Brandenburgern erlaubte, irgendwo an der afrikanischen Goldküste ein Fort zu bauen. Vielleicht aufgrund seiner Weltläufigkeit übertrug Kurfürst Friedrich Wilhelm dem Major und Kammerjunker v. d. Groeben 1682 die Leitung einer Expedition an die Goldküste Westafrikas. Im Zuge dieser Unternehmung mit den beiden bewaffneten Fregatten „Churprinz“ mit 32 Geschützen und 60 Mann Besatzung und „Mohrian“ mit 12 Geschützen und 40 Mann wurde am Neujahrstag 1683, nach anderer Quelle am 7. März 1683, die Kolonie Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana nahe dem Kap Tres Puntos mit Pauken und Schalmeien durch Aufziehen der kurbrandenburgischen Flagge gegründet und auf dem kleinen küstennahen Berg Manfro, den man zu Ehren Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht den "großen Friedrichsberg" nannte, sofort mit dem Bau des vertraglich vereinbarten Forts begonnen. Erster Festungskommandant wurde jener Kapitän Blonck.[1]

Hier sollte, gestützt auf die brandenburgische Hochseeflotte und dem Anspruch, Seemacht zu werden, ein Zentrum überseeischen Handels entstehen. Das schloss damals Freibeuterei und Sklavenhandel ein. Nachdem die Besatzung des Forts etliche ihrer Mitglieder durch die Malaria verloren und Otto von der Groeben sich von einem Malariaanfall erholt hatte, fuhr er auf der Mohrian zurück nach Europa, während die Churprinz sich mit einer Schiffsladung Sklaven auf den Weg in die Karibik machte.

Der Traum der kleinen Landmacht Preußen von Seegeltung und Kolonien war nur möglich, weil der holländische Reeder Benjamin Raule sich ab 1673 bereit fand, dem Großen Kurfürsten eine Flotte zu finanzieren und aufzubauen. Sie bestand sehr bald aus 34 seegängigen Schiffen, die zum großen Teil durch die Kaperung schwedischer und spanischer Schiffe in brandenburgische Verfügungsgewalt gelangten. So wurde die spanische Fregatte „Carolus secundus“ zum Flaggschiff der brandenburgischen Marine gemacht und der Verkauf ihrer reichen Ladung erbrachte wesentliche Finanzmittel zum Bau eigener Schiffe.

Pillau wurde nach dem Verluste Stettins zur Hauptflottenstation gemacht und der Große Kurfürst errichtete dort ein Kommerz- und Admiralitätskollegium, dem, in Verbindung mit der in Berlin begründeten Seehandlung, die Verwaltung und Leitung der Unternehmungen zur See oblag. Der Kurfürst gründete am 17. März 1682 die Afrikanische Handelskompagnie, die 1684 ihren Hauptsitz mit insgesamt 30 Handels- und 10 Kriegsschiffen in Emden nahm. Den Königsberger Kaufleuten waren die kurfürstlichen Visionen wohl doch zu ungeheuerlich.

Der Generaldirektor der Marine, Admiral Benjamin Raule, ist in heutiger Zeit noch als Bauherr des Schlosses Friedrichsfelde in Berlin präsent. Dieses Gebäude ist heute in den Tierpark Friedrichsfelde integriert. Später fiel Raule beim Großen Kurfürsten in Ungnade, wurde seines Postens enthoben, ins Gefängnis von Spandau geworfen und starb verarmt in Hamburg.

Die Festung Großfriedrichsburg, flankiert vom Fort „Dorothea“ und einem weiteren, nicht mehr identifizierbaren Fort in der Nähe, sollte den Handel mit den Eingeborenen - mit Gold, Elfenbein und Sklaven - gegen die holländische Konkurrenz sichern. Auch wurde der Versuch unternommen, mit Hilfe von Bergleuten aus dem Erzgebirge lokale afrikanische Goldlager aufzuspüren.

1697 wurde Otto Friedrich von der Groeben als Nachfolger seines Vaters Amtshauptmann in Marienwerder und Riesenburg. 1710 trat er in den Dienst der polnischen Krone ein und schied 1716 im Rang eines Generalmajors aus. Er war Vater von 20 Kindern mit drei Frauen, die mit ihm zusammen in der Grabkapelle des Marienwerder Doms zur letzten Ruhe gebettet wurden.[2]

Der Große Kurfürst konnte seine Landeskinder trotz aller Avancen nicht für seine Seemacht-Ambitionen und kolonialen Pläne gewinnen. Nach seinem Tod führte sein Sohn Kurfürst Friedrich III. die Unternehmung mehr aus Pietät weiter, doch fand sich niemand, der willens und in der Lage war, das Doppelwerk Flotte und Kolonien weiter zu entwickeln. Die Schiffe dümpelten ohne Beschäftigung im Hafen und verfielen, das Fort verkam, die Handelsbeziehungen beuteten betrügerische Beamte und Händler zu ihrem eigenen Vorteil aus. 1711 erklärte Friedrich I. den Bankrott der Kolonie. Sein Sohn Friedrich Wilhelm I. verkaufte sie 1717 für 7.200 Dukaten und 12 Mohren an die Holländer.

Bereits 1 Jahr früher, 1716, entschloss sich der letzte deutsche Vertreter in Groß-Friedrichsburg, Generaldirektor Dubois, den Schutz der Festung dem Negerhäuptling Jan Cunny zu übertragen und in die Heimat zurückzukehren. Der Afrikaner hielt sich treu an seinen dem König von Preußen geleisteten Eid. Als die Holländer mit einer Flotte vor der Festung erschienen, verweigerte er die Übergabe mit der Bemerkung, er führe die Verwaltung im Namen des Königs in Preußen und wolle sich nur preußischen Schiffen fügen. Hierauf griffen die Holländer die Festung an, wurden jedoch blutig zurückgeschlagen. Erst 1724 gelang es, Jan Cunny zu vertreiben, der unter Mitnahme der brandenburgischen Flagge im Urwald untertauchte. Die Holländer nannten die Feste "Hollandia", kümmerten sich bald danach nicht weiter um sie und überließen sie ihrem Schicksal.

Unterhalb des Forts, das heute in Teilen noch recht gut erhalten ist und in den 1960 Jahren von der ghanaischen Regierung restauriert wurde, entwickelte sich die Ortschaft „Princess Town“ mit jetzt etwa 4.000 Einwohnern. Die nächste größere Hafenstadt ist ca. 40 km entfernt. Das Modell eines kurbrandenburgischen Schiffes, das den an der Expedition beteiligten gleicht, die „Friedrich Wilhelm zu Pferde“, wird im Berliner Museum für Verkehr und Technik gezeigt

Otto Friedrich v. d. Groeben wurde, als er nach 18 Monaten aus Afrika zurückkehrte, vom Großen Kurfürsten als Gründer der ersten Kolonie geehrt, zum Oberst befördert und mit der Anwartschaft auf die Nachfolge in der Amtshauptmannschaft über Marienwerder und Riesenburg belohnt, die zu diesem Zeitpunkt noch sein Vater, General Georg Heinrich v. d. Groeben (gest. 1698), innehatte. In der Zwischenzeit begab er sich 1686 in venezianische Dienste und nahm an einem Feldzug nach Morea gegen die Türken teil. Nach seiner Rückkehr im Jahr darauf heiratete er, nicht zuletzt deshalb, weil er in der Ehe ein probates Mittel gegen sein chronisches Reisefieber erblickte.

Sein Erlebnisbericht “Orientalische Reise-Beschreibung Des Brandenburgischen Adelichen Pilgers Otto Friedrich von der Gröben: Nebst der Brandenburgischen Schifffahrt nach GUINEA, und der Verrichtung zu Morea” erschien 1694 als erstes in Marienwerder gedrucktes Buch, wobei der Buchdrucker Simon Reiniger aus Elbing extra herbeigeholt wurde.

Das Fort, das noch recht gut erhalten ist, beherbergt seit 1987 das „Backpacker Hostel“, wo man als Individualreisender recht preiswert und gut wohnen kann. Es gilt als Geheimtipp: Pricesstown-Castle,Princesstown, P.O.Box 12, Via Agona-Ahanta, Ghana/Westafrika, G.m.m.B., Telefon: 00233 31 30561. DZ 15 DM, Frühstück + Abendbrot je ca. 5 DM (Stand 2001)


[1] Wolfgang Reith, Otto Friedrich von der Groeben, Heimatbrief Rastenburg, Juni 2008, S. 497; Uwe Stiehler, Kolonialer Größenwahn erleidet Schiffbruch, Brandenburger Blätter, 15. 4. 2011, S. 8/9
[2] Die Herren und Grafen von der Groeben, Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen, 2018, S. 23



Plan der Festung Großfriedrichsburg
 
 
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