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Ludwig Graf Yorck in Marienwerder

Von 1809 - 1812 war General Ludwig Graf Yorck (1759 - 1830), der später auf eigene Faust in der Poscheruner Mühle mit dem russischen General Diebitsch die Konvention von Tauroggen schloss, in Marienwerder stationiert. Es wird berichtet, dass er mit Strenge, Ernst und Zähigkeit energisch gegen den Verwaltungsschlendrian vorging.

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Von 1809 - 1812 war General Ludwig Graf Yorck (1759 - 1830), der später auf eigene Faust in der Poscheruner Mühle mit dem russischen General Diebitsch die Konvention von Tauroggen schloss, in Marienwerder stationiert. Es wird berichtet, dass er mit Strenge, Ernst und Zähigkeit energisch gegen den Verwaltungsschlendrian vorging.

General Ludwig Graf Yorck war der uneheliche[1] Sohn des Hauptmanns einer Infanteriekompanie David Jonathan von York (geb. 7. 7. 1721 in Rowe) und der Potsdamer Handwerkertochter Maria Sophia Pflug. Die Eltern heirateten erst 1763. Sein Großvater Jan Jarka war Pastor in Rowe. Dessen Wurzeln lagen im Kaschubischen. Der Vater änderte den Namen Jark in Yorck. Der Sohn trat wie sein Vater in die preußische Armee ein und avancierte 1777 mit 18 Jahren zum Secondeleutnant. Schon im nächsten Jahr verurteilte man den geradlinigen und unbestechlichen Soldaten wegen Subordination zu einem Jahr Festungshaft auf der Zitadelle Friedrichsburg bei Königsberg und der Entfernung aus der Armee, weil er seinen vorgesetzten Kapitän öffentlich verdächtigte, sich unrechtmäßig bereichert zu haben.

Da ihm der Wiedereintritt in die Preußische Armee von Friedrich II. jetzt wie auch später nicht gewährt wurde, nahm er den Posten eines Kapitäns in der niederländischen Armee an und kämpfte für die Holländer in Südafrika und Indien. 1787 gelang es ihm unter dem neuen König Friedrich Wilhelm II. dann doch, von der Preußischen Armee wieder aufgenommen zu werden. Aufgrund seines beispielhaften Einsatzes während des polnischen Feldzugs 1794/95 erhielt er ein eigenes Bataillon und 1799 die Kommandogewalt über ein Jägerregiment, den Ortelsburger Jägern, dessen Chef er - inzwischen im Rang eines Oberst - 1805 wurde.

Im Krieg gegen Napoleon von 1806 führte er die Vorhut des Herzogs von Weimar. Als die Nachricht vom katastrophalen Ausgang der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt eintraf, zog sich der herzogliche Verband durch den Harz zurück und vereinigte sich mit dem Korps Blücher. Yorck erhielt den Auftrag, den Abmarsch Blüchers nach Norden zu decken und führte dazu bei Altenzaun 1806 ein Gefecht, in dessen Verlauf er alle französischen Angriffe abschlagen und sogar noch zum Gegenangriff übergehen konnte. Am 6. 11. 1806 wurde er im Straßenkampf in Lübeck verwundet und gefangen genommen, jedoch im folgenden Jahr gegen einen französischen Generaladjutanten ausgetauscht. In Anerkennung seiner Leistungen wurde Yorck 1807 zum Generalmajor befördert und mit dem Orden „Pour le Mérite“ ausgezeichnet. Er avancierte 1810 zum Generalinspekteur der leichten Truppen und 1811 zum Generalgouverneur zuerst West- und dann auch Ostpreußens.

Während des Russlandfeldzugs 1812 war Yorck vom preußischen König beauftragt worden, das von Napoleon angeforderte Hilfskorps zu führen. Als er nach dem überstürzten Rückzug Napoleons aus Moskau die Verbindung mit der französischen Armee verlor, entschloss sich Yorck, entgegen seinem Auftrag und ohne Zustimmung seines Königs eine Übereinkunft mit den Russen zu treffen. In der Konvention von Tauroggen vom 30.12.1812 sicherte er die Neutralisierung seiner Truppen unter der Bedingung zu, dass Russland den Krieg gegen Frankreich weiterführen würde, bis Preußen und Europa von der französischen Besetzung befreit wären. Damit brach eine offene Erhebung gegen die französische Herrschaft in Norddeutschland aus. Yorck setzte im Haus der Ostpreußischen Landschaftsdirektion durch, dass die ostpreußischen Stände einen Aufruf zur Aufstellung einer Landwehr in Königsberg erließen. Obwohl sich der König von Preußen zunächst über diese Eigenmächtigkeit Yorcks empörte, stimmte er unter dem Druck der Öffentlichkeit letztlich dem Bündniswechsel zu. Mit der Konvention von Tauroggen gab Yorck somit den Anstoß zu den Befreiungskriegen und zur Erhebung Preußens gegen Frankreich.

Seine große taktische Begabung zeigte Yorck während des folgenden Krieges gegen Napoleon. Am 3. Oktober 1813, als er bei Wartenburg gegen den französischen Widerstand den Elbübergang für Blücher ermöglichte, wurde Napoleon gezwungen, von der Elblinie abzurücken, die ihm zuvor immer wieder Schutz geboten hatte. Für diese Leistung wurde von York 1814 der Ehrenname Yorck Graf von Wartenburg sowie das Gut Klein-Öls bei Breslau verliehen. Am 26.12.1815 nahm York seinen Abschied und erhielt am 5. Mai 1821 den Titel eines Generalfeldmarschalls.[2] Am 4. Oktober 1830 starb Yorck von Wartenburg in Klein Öls. Er galt als eigenwilliger Truppenführer und schwieriger Befehlsempfänger, war aber wegen seines Bemühens um das Wohl der Truppe bei den Soldaten beliebt. Er galt als streng und äußerst hartnäckig bei der Verfolgung seiner Ziele und verdiente sich bei seinen Zeitgenossen den Ruf als "Mann aus gehacktem Eisen".[3]


[1] MR, Er beendete das Sterben für Napoleon, PAZ Nr. 39/09 (26. Sept), S. 10
[2] Ergänzt um Informationen bei MR, Er beendete das Sterben für Napoleon, PAZ Nr. 39/09 (26. Sept), S. 10
[3] Wikipedia, eingesehen 13. 8. 2012

Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (Ernst Gebauer)
Gedenkstein in Wartenburg (Doris Antony)
 
 
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