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Franziskaner-Kloster und Klosterkirche

Die bedeutendste kulturhistorische Anlage in Wartenburg ist die Kirche St. Andreas des ehemaligen Franziskaner-Klosters. Das Kloster gehörte satzungsgemäß zur Ordensprovinz Sachsen. Der Klosterkomplex entstand um 1380 und war ähnlich befestigt wie eine Burg, so dass er notfalls in die Verteidigungsmaßnahmen einbezogen werden konnte.

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Die bedeutendste kulturhistorische Anlage in Wartenburg ist die Kirche St. Andreas des ehemaligen Franziskaner-Klosters. Das Kloster gehörte satzungsgemäß zur Ordensprovinz Sachsen. Der Klosterkomplex entstand um 1380 und war ähnlich befestigt wie eine Burg, so dass er notfalls in die Verteidigungsmaßnahmen einbezogen werden konnte.

Die einschiffige Klosterkirche hatte, wie bei den Franziskanern üblich, keinen Turm und der Chor wurde erst nach dem Brand von 1414 angefügt. Infolge der Reformation standen die Räume zunächst leer und die Anlage begann zu verfallen.

Unter Kardinal Andreas Bathory (1589 - 1599) übergab man das Kloster 1597 den Bernhardinern aus der polnischen Ordensprovinz und begann mit einer intensiven Renovierung, verbunden mit einem weiteren Ausbau, der erst unter Bischof Simon Rudnicki (1604 - 1621) zum Ende kam.

Das Kloster wurde 1810 säkularisiert und ab 1834 als Strafanstalt genutzt. 1846 brannten die drei Flügel mit den Klausurgebäuden aus und wurden 1855 abgerissen. Die Räume für das Gefängnis baute man im Stil der Zeit und ohne wesentliche Verwendung alter Mauerteile neu, die Klosterkirche aber blieb damals unversehrt und überlebte auch die beiden Weltkriege des 20. Jhs. weitgehend unbeschadet. Deshalb präsentiert sie sich heute noch in ihrem originalen Zustand. Die Franziskaner erhielten 1983 die Klosterkirche zurück.

Das Zuchthaus, in dem auch Erich Koch sein Leben beschloß, ist heute noch in Betrieb.

Die Kirche erhielt 1610 ihr noch gotisches Rippengewölbe.

Ausstattung:

  • Das Chorgestühl aus dem Beginn des 17. Jhs. war bereits von der Renaissance geprägt.
  • Der reich verzierte Hauptaltar stammt aus dem Beginn des 18. Jhs.,
  • Rokokokanzel von ca 1760.
  • An den Wänden und in den Seitenkapellen stehen acht verschiedene Altäre, die einheimische Handwerker 1720 - 1740 anfertigten.
  • Grabplatte des ermländischen Bischofs Peter Tylickis von 1655
  • In der von Kardinal Andreas Bathory angebauten St. Antonius Kapelle befindet sich das Grabmal für ihn und seinen bereits 1595 gestorbenen Bruder Balthasar. Der Steinmetz Wilhelm van dem Blocke schuf dieses prunkvolle Kunstwerk aus weißem und schwarzem Marmor 1598, also noch zu Lebzeiten des hier verewigten Kirchenfürsten. Es handelte sich wohl um das erste Grabmal im Stil der Renaissance im Ermland.


Der Franziskaner Orden in Wartenburg erhielt 2010 als ermländisches Kulturerbe für die Restaurierung der St. Andreas Kapelle ca. 1 Mio Euro.1

Andreas Bathory war ein Bruder des polnischen Königs Stefan IV. Bathory, der als einer der bedeutenderen Könige Polens gilt und der gegen Zar Iwan den Schrecklichen erfolgreich zu Felde zog. Die drei Brüder Stefan, Balthasar und Andreas entstammten einem Fürstengeschlecht in Siebenbürgen. Bei einem Besuch in der Walachei, wo er um die Krone Siebenbürgens konkurrierte, wurde Andreas Bathory ausgewiesen und in einem Gefecht bei Schellenberg gegen den walachischen Woiwoden Michael dem Tapferen am 28. Okt. 1599 bei Karsburg getötet - er war erst 33 Jahre alt. Sein Bruder Balthasar war bereits 1595 in Siebenbürgen im Auftrag seines Vetters, des Fürsten Sigismund Báthory, erdrosselt worden.

Bischof Simon Rudnicki ließ den Klosterkomplex zu Beginn des 17. Jhs. gründlich restaurieren. Er erlangte dadurch Bedeutung, dass er für Königsberg die Genehmigung erwirkte, dort wieder den katholischen Gottesdienst zuzulassen, woraufhin die katholische Probsteikirche entstand. Außerdem erreichte er, dass die Nikolaikirche in Elbing der katholischen Gemeinde zurückgegeben wurde.

1 R.R. Ermländisches Kulturerbe, Allensteiner Nachrichten, 24. 12. 2010, S. 2

 
 
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