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Ferdinand Schichau, einer der größten Unternehmer des Ostens, wurde vor 200 Jahren geboren

30.01.2014

Ferdinand Schichau war Sohn des Maurers und Gelbgießermeisters Carl Jacob Schickau und seinerr Frau Anna, Tochter eines Kornmessermeisters. Er ging erstaunolicherweise erst ab dem 10. Lebensjahr zur Schule. Nach der Volksschule begab er sich in eine Schlosserlehre, wo man seine technische Begabung erkannte. Mit Genehmigung des Königs erhielt er ab 1832 ein Freistudium am Königlichen Gewerbeinstitut in Berlin, dem Vorläufer der Technischen Universität, nachdem er noch eine weiterführende Schule besucht hatte. Bei der Abschlußprüfung 1835 erhielt er dann folgerichtig im Fach “Konstruktion von Maschinen” den ersten Preis. Zunächst fand er eine Anstellung in der Metallwerkstatt des Instituts und begab sich dann auf eine Informationsreise ins Rheinland und nach England, das seinerzeit im Maschinenbau führend war.

Die industrielle Karriere begann am 4. Oktober 1837, als Schichau 23 Jahre alt war, mit einer kleinen Maschinenwerkstatt, die sich mit dem Bau von Baggern und Lokomotiven befasste und die er stetig zu einem großen Betrieb entwickelte. 1854 beschäftigte die “Maschinenbrik und Eisengießerei F. Schichau” 77 Arbeiter und Angestellte.

1854 erwarb Schichau die Holzschiffswerft Mitzlaff in Elbing und stellte sie auf den Eisenschiffbau um. Damit begann er den Aufbau eine renommierten Schiffsindustrie auf mit Werften in Elbing, ab 1891 auch in Danzig mit riesigen Werkhallen, sieben Hellingen und einem Schiffsdock für große Kriegs- und Handelsschiffe sowie einem Reparaturbetrieb in Pillau. 1877 erhielt er den ersten Auftrag der Kaiserlichen Marine für den Bau des Kanonenboots “Otter”. In Danzig wurden später die größeren Kriegsschiffe und sogar Großkampfschiffe für die kaiserliche Marine hergestellt. Der Anteil der Kriegsschiffe am gesamten Schiffbau betrug etwa 40 %.

1871 begann er, sich mit der Torpedo-Waffe zu befassen. Der von ihm entwickelte Torpedobootstyp setzte sich im Rahmen einer Ausschreibung der Marine gegen die Konkurrenz durch und ab 1877 wurden Torpedoboote gebaut, die ersten für Rußland. Ab 1883 verließen 240 Torpedofahrzeuge für die deutsche Marine und 160 für andere Länder die Hellingen. In jener Zeit verfügte Schichau über ein Monopol beim Torpedoschiffsbau. Aber auch als nach der Jahrhundertwende der Typ des Hochseetorpedoboots in den Vordergrund rückte, blieb Schichau ein maßgeblicher Werftbetrieb auf diesem Feld, auch im Export. So lieferte er fast alle chinesischen Torpedoboote vor dem 1. Weltkrieg sowie 3 größere Zerstörer.

Im Jahr 1859 erhielt Schichau den ersten Aufrag für den Bau einer Lokomotive. Das war der Beginn eines höchst erfolgreichen Produktionszweigs ab etwa 1867. Ab 1869 verlagerte Schichau die Herstellung in den Elbinger Vorort Trettinkenhof und um 1890 wurde dafür die große Lokomotiven-Fabrik Trettinkenhof gebaut. Zur gleichen Zeit gründete er die Elbinger Dampfschiffsreederei. Zu Lebzeiten Ferdinand Schichaus wurden 1.650 Dampfmaschinen, 1850 Dampfkessel, 50 Dampfbagger, 800 Lokomotiven und 500 Handelsschiffe gebaut.[1]

Mit dem Ende des 1. Weltkriegs stoppte auch der Bau von Topedobooten. Erst 1935 kam man hier wieder zum Zuge. Am 22. Januar 1945 wurde die Arbeit auf den Hellingen in Elbing eingestellt. Drei fast fertig gestellte Schiffe konnte man noch nach Kiel retten. Hier wurden sie jedoch von den Alliierten beschlagnahmt, mit Gasmunition voll geladen und im Skagerak versenkt.[2] Nach dem 2. Weltkrieg bauten ehemalige Mitarbeiter in Bremen unter dem Namen Schichau eine neue Werft auf.

Weitere Informationen zum Industrieimperium Schichau siehe hier.



[1] HUS/J.H., Wichtigster Industriepionier des Ostens, PAZ Nr. 3/2014 (18. Januar), S. 11
[2] Klaus Gröbig, Torpedoboote aus Elbing und MINENSUCHBOOTE AUS Königsberg für das Reich und das Ausland, Preußische Zeitung Nr. 2/2002, S. IV – aufgehoben