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Vor 100 Jahren wurde die erste Jugendherberge der Welt eröffnet

28.06.2014

Richard Schirrmann (15.05.1874 – 14.12.1961) wurde in Grunenfeld als Sohn des Lehrers August Schirrmann geboren. Er besuchte die Präparandenanstalt Friedrichsdorf bei Ortelsburg sowie das Lehrerseminar Waldau bei Königsberg und war kurze Zeit Privatlehrer auf Gut Drebbenau im Samland. 1895 legte er in Karalene bei Insterburg das Lehrerexamen ab.

Als er 1903 nach Altena im Sauerland in die Nette-Schule versetzt wurde, kam er dort in Kontakt mit dem gleich gesonnenen Unternehmer Wilhelm Münker aus Hilchenbach und sie entwickelten angesichts eigener unliebsamer Erfahrungen ab 1909 die Idee, Jugendherbergen einzurichten, um jugendlichen Wanderern eine preiswerte und zivilisierte Unterkunft zu gewähren. Landrat Fritz Thomée in Altena förderte das Vorhaben nach Kräften. In der Abhandlung ” Vom Jugendwandern und welchen Gewinn ich mir davon verspreche” machte Schirrmann die Idee so populär, dass daraus eine breite Bewegung erwuchs. Der 27. Juni 1914, also der Tag vor dem Attentat von Sarajewo, war der Einweihungstag der ersten ständigen Jugendherberge der Welt in der wieder aufgebauten Burg Altena und diese gilt seitdem als das Mutterhaus der Jugendherbergen schlechthin. Es gab dort zwei Schlafsäle, einen Tagesraum und eine Küche, später kamen Wasch- und Duschräume hinzu.

Es war der Anfang einer beispiellosen Entwicklung. Im Folgejahr gab es Jugendherbergen in 301 Städten, 1920 waren es 700. Der Reichsjugendherbergsverband wurde 1919 gegründet.

Aufgrund seiner erfolgreichen Auslandskontakte beschloss Schirrmann 1932, in Amsterdam den internationalen Jugendherbergsverein ins Leben zu rufen, dessen Präsident er 1933 wurde. 1935 erhielt die erste amerikanische Jugendherberge seinen Namen, doch bereits bei der Übernahme durch die Hitlerjugend 1936 zwangen die Nazis den Vater der Jugendherbergen, auf den Vorsitz im IYHF (International Youth Hostel Federation) zu verzichten und veranlassten seine Ausweisung aus Altena. Schirrmann zog nach Grävenwiesbach im Taunus, wo er auch seinen Lebensabend verbrachte.

1948 tagte der erste Weltjugendherbergskongress in Dublin, zu dem 25 Nationen Delegierte entsandten. Am 30. August 1949 konnte Schirrmann den Hauptverband für Jugendwandern und Jugendherbergen neu begründen, dessen Ehrenpräsident er wurde, und 1952 erhielt Schirrmann das Bundesverdienstkreuz, 1954 wurde er Ehrenbürger der Stadt Altena. 1956 gab es in der Bundesrepublik Deutschland bereits wieder 720 Häuser dieser Art mit 8 Millionen Übernachtungen. Heute, 2009, bestehen in fast 90 Ländern mehr als 4.000 Jugendherbergen. Richard Schirrmann starb in Grävenwiesbach (Taunus).

(Die Welt, 27. 6. 2014)