Schildeck

Szydlak – Schildeck

Die Gutsgeschichte beginnt 1325 mit der Verleihung von 400 Hufen Land an den Ritter Hans oder Johannes Otatz in Gröben, auf denen der Ort wohl 1335 begründet wurde. Um 1700 war Johann von Schirstädt Eigentümer, der in dem Dorf Schildeck 1705 eine Kirche bauen ließ. Dem Vernehmen nach gingen die Dorfbewhner jedoch lieber weiterhin in die Kirche in Osterwein. Im 19. Jh. bis in die 1920er Jahre saß hier die Familie von Hardt. Damals umfasste der Betrieb 800 ha samt Molkerei und Brennerei und es wurden Pferde gezüchtet.

 

Der Eigentümer bis 1945, Günther von Niebelschütz (1882 – 1945) aus schlesischem Adel und Sohn des Oberst Horst von Niebelschütz, Urenkel des Architekten, geheimen Baurats, Mitglied der preußischen Ober-Baudeputation und Rektors der Berliner Bauakademie August Severin (1780 – 1861) mit dänischen Wurzeln, heiratete 1919 die Erbin des Gutes Schildeck, Elisabeth von Hardt (1879 – 1966).  Günther von Niebelschütz machte Karriere beim Militär. 1901 wurde er Offizier, im 1. Weltkrieg Hauptmann und Adjutant der 40. Infanteriebrigade. Nach dem Krieg diente er in der Reichswehr, wurde 1923 Major, 1928 Kommandeur des 3. Infanterieregiments in Osterode und Oberstleutnant, 1931 Oberst, im Dezember 1933 Brigadegeneral und 1935 Divisionsgeneral. 1937 erreichte er die Spitze seiner Karriere als Inspekteur der Militärschulen und Teilnehmer am Oberkommando der Landstreitkräfte, doch 1938 wurde er entlassen. Er begab sich in den Ruhestand auf Schildeck. Im 2. Weltkriet reaktivierte man ihn, machte ihn zum Kommandeur der Grenztruppen im Südosten Preußens und 1941 zum Kommandeur des rückwärtigen Wehrmachtsgebiets in Nordrussland. 1943 entließ man ihn erneut. Als die Sowjets Schildeck einnahmen, hatte er zunächst ein Übereinkommen mit der Militärführung, wurde aber am 26. 1. 1945 von betrunkenen Rotarmisten erschossen.[3]

Oda von Hardt (24. 8. 1880 – 17. 10. 1965), die jüngere Schwester von Elisabeth,  wurde auf Gut Schildeck geboren. Sie studierte 1902 – 1906 Malerei an der Kunstakademie in Königsberg, wo sie ihren späteren Mann, Waldemar Rösler, kennen lernte, den sie 1906 heiratete. Nachdem ihre 1907 geborenen Zwillinge 18 Jahre alt geworden waren, zog sie von 1925 – 1928 nach Weimar, wo sie künstlerische Anregungen aus der Bauhaus-Bewegung erhielt, und 1929 nach Berlin. Viele ihrer Jugendwerke befanden sich in Schildeck und wurden dort zum Ende des 2. Weltkriegs zerstört. Nach dem Krieg war sie Mitgründerin des „Atelier im Freien“ in Berlin, einer privaten Malschule, und malte hier bis zu ihrem 82. Lebensjahr.[1]

Ihr Mann, Waldemar Rösler (21. 4. 1882 – 14. 12. 1916) wurde in Striesen bei Dresden als Sohn eines Fotografen geboren. Die Eltern zogen bald um nach Königsberg. Hier verlebte er seine Jugend und studierte 1896 – 1904 Malerei an der Kunstakademie, wo er auch seine Frau Oda von Hardt kennen und lieben lernte. 1905 hatte er eine erste Ausstellung auf der Berliner Secession, die damals unter der Präsidentschaft von Max Liebermann stand. Max Beckmann und Theo von Brockhusen waren seine Freunde und als Liebermann 1911 zurücktrat, wurde er in den Vorstand der Secession aufgenommen. Im ersten Weltkrieg wurde er an der Westfront in Belgien eingesetzt und 1915 wegen Tapferkeit an der Front zum Leutnant befördert. Sein physischer und psychischer Zustand verschlchterte sich jedoch, woraufhin man ihn 1916 auf den Truppenübungsplatz Arys versetzte. Dort nahm er sich das Leben. Begraben wurde er auf Gut Schildeck. Im Gutshaus verwahrte Oda Hardt-Rösler rund 200 der von den Nazis verfemten impressionistischen Kunstwerke ihres Mannes, die zum Ende des 2. Weltkriegs zusammen mit ihren Gemälden zerstört wurden. In der Villa Liebermann in Berlin-Wannsee wurde aus Anlass seines 100. Todestages im Jahr 2016 eine Ausstellung seiner Werke eröffnet.[2]

Das Herrenhaus von 1910, dessen Architektur sich an französische Vorbilder anlehnt, befindet sich heute in Privatbesitz und zeigt sich in guter Verfassung.

[1] Wikipedia

[2] Simone Reiber, Der Sommer der Liebenden, Tagesspiegel, 8. 11. 2016, S. 22

[3] Der Berliner Architekt Severin und sein Urenkel aus Schildeck, Osteroder Zeitung, November 2025, S. 53 f