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Der Fund von Dittersdorf (Kreis Mohrungen) im Jahr 1902

30.01.2022

Zwischen Januar und Februar 1902 entdeckten der Besitzer Görke und sein Stiefsohn mit Familienname Lange aus Dittersdorf beim Fällen einer alten Linde unter den Wurzeln des Baumes im Bereich „Schanzen“ Armringe, einige Ohrringe, ein Kurzschwert[1] und eine Urne. Görke meldete den Fund dem Amtsvorsteher Freiherr von Albedyll aus Klein Karnitten. Dieser erwarb die Sachen bis auf ein Armband und fand weitere Gegenstände an der Fundstelle. Die Fundstelle lag ca. 1,3 Kilometer westsüdwestlich vom Südausgang Dittersdorf auf der Höhe 115,9, nicht weit ostwärts des Dubensees auf einer Erhebung an seinem Hochufer.[2]

Professor Dr. Schnippel aus Osterode vermutete bei Besichtigung der Fundstelle anhand eines Bronzeguss-Abfall-Stück ein Depot[3] und nahm für seine Sammlung drei Fundstücke mit.[4] Die Angaben zu den Armringen waren unterschiedlich. Schnippel gab sieben, Brinkmann elf, die „Osteroder Zeitung“, 25. Februar 1902, 2. Blatt, Nr. 24 „ca. zwanzig“ an.[5]

Professor Dr. Schnippel schrieb am 23. September 1903, dass Anfang voriges Jahres bei Dittersdorf unweit Schnellwalde in einem ziemlich reichhaltigen Depotfund aus der besten Hallstattzeit mindestens drei sehr schöne Ringhalskragen aus Bronze gefunden wurden, welche an Erhaltung und Arbeit die im Königlichen Museum für Völkerkunde (in Berlin) vorhandenen weit überträfen.[6]

Adalbert Bezzenberger gelang es, einige Teile wie Ring-Halskragen, zwei Armringe, eine flach gewölbte runde Eisenplatte und einen ungehenkelten eisernen Hohlcelt zu besichtigen.[7] Tischler, Lissauer und auch Bezzenberger datierten die Funde „an den Schluss der ostpreußischen Hügelgräber, in die Zeit der westpreußischen Gesichts-Urnen, also ganz ans Ende der Hallstätter Periode.“[8]

Der Dittersdorfer Fund gehörte größtenteils dem weichselländisch-frühgermanischen Kulturgut an.[9] Eisen wurde um 500 v. Chr. in Ostpreußen bekannt, wo es später wie auch in Dittersdorf als Grabschmuck in den Hügelgräbern beigelegt wurde.[10]

Professor Brinkmann vom Prussia-Museum in Königsberg forschte weiter und brachte die Gegenstände aus Bezzenbergers Arbeit nach Königsberg.

Im Jahr 1928 erwarb das Prussia-Museum die letzten vorhandenen Stücke aus dem nicht pfleglich behandelten Bestand des Baron von Albedyll.[11] Das Kurzschwert ging verschollen.[12] Kreispfleger Eckart aus Sportehnen konnte bei Nachforschungen bei der Witwe und dem Sohn des Besitzers Goerke im Nachlass ein Armband finden sowie die Fundstelle von 1902 festlegen.

1942 waren folgende Fundstücke im Landesamt für Vorgeschichte, Königsberg im Bestandsverzeichnis vermerkt:

Eisernes Tüllenbeil
Eiserne Scheibenkopfnadel
Bronzene Spiralscheibenkopfnadel
Bronzenes Armspiralband
Bierbronzene offene Armbänder
Je eine bronzene Schließe für einen Ringhalsskragen (für neun und sieben Ringe)
Sechs Ringe von bronzenen Halskragen
Drei Tonscherben.[13]

Der Artikel erschien in ähnlicher Form in der polnischen Zeitschrift „Zapiski Zalewskie” Nr. 31, 2015, „Tajemnice Górki koo Wielowsi“ von Krystyna Kacprzak

Jürgen Ehmann
66564 Ottweiler



[1] Adalbert Bezzenberger „Analysen vorgeschichtlicher Bronzen Ostpreussens“, Königsberg 1904, S. 51.
[2] „Alt-Preußen Jahrgang“ 7, März 1942, S.5.
[3] Adalbert Bezzenberger „Analysen vorgeschichtlicher Bronzen Ostpreussens“, Königsberg 1904, S. 51.
[4] „Alt-Preußen Jahrgang“ 7, März 1942, S.3.
[5] „Alt-Preußen Jahrgang“ 7, März 1942, S.5.
[6] „Zeitschrift für Ehnologie“, Organ der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 35. Jahrgang, 1935, Berlin, Sitzung vom 17. Oktober 1903, S. 746.
[7] Adalbert Bezzenberger „Analysen vorgeschichtlicher Bronzen Ostpreussens“, Königsberg 1904, S. 52.
[8] Adalbert Bezzenberger „Analysen vorgeschichtlicher Bronzen Ostpreussens“, Königsberg 1904, S. 53.
[9] „Alt-Preußen Jahrgang“ 7, März 1942, S. 4-5.
[10] Dr. Wilhelm Gaerte „Urgeschichte Ostpreußens“, Königsberg 1929, S. 94.
[11] „Alt-Preußen Jahrgang“ 7, März 1942, S. 4.
[12] Dr. Wilhelm Gaerte „Urgeschichte Ostpreußens“, Königsberg 1929, S. 95.
[13] „Alt-Preußen“ Jahrgang 7, März 1942, S. 4-5.