Ostpreußen

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Die weit über Königsberg hinaus bekannte Buchhandlung am Paradeplatz setzte nach dem Krieg und dem Verlust der Heimat ihre Tätigkeit bis über unsere Zeit in Westdeutschland fort. Foto: Buchhabdlung Gräfe und Unzer um 1930 (Wikipedia, gemeinfrei)

Die literarischen Bedürfnisse einer so großen Stadt wie Königsberg deckten Buchhandlungen. Dazu gehörte die von Christoph Gottfried Eckart, geboren in Grimma bei Leipzig, der am 20. 7. 1722 von König Friedrich Wilhelm I. die Konzession für eine Buchhandlung erhielt, diese in großem Stil ausbaute und darunter u. a. 87 Werke verschiedener Wissenschaftler der Universität Königsberg verlegte. 1746 verkaufte Eckart die Firma an die Buchhandlung Hartung des Thüringer Orgelbaumeistersohns Johann Heinrich Hartung, der seine bereits vorhandene Königsberger Druckerei ins Geschäft einbrachte. Dort wurde die später berühmte „Hartungsche Zeitung“  aus der Taufe gehoben, das Sprachrohr des preußischen Liberalismus im 19. Jh.

1768 übernahm der Königsberger Johannes Kanter die Buchhandlung. Er erwarb das nicht mehr benötigte Löbenichtsche Rathaus und baute das Geschäft großzügig aus. Er pflegte den Kontakt zur Elite seiner Zeit wie Hamann, Kant und Scheffner und stellte Kant eine Wohnung in dem großen Gebäude zur Verfügung. Gleich 1768 orderte Kanter bei dem Maler Friedrich Becker ein Porträt des Philosophen, das heute noch existiert und sich im Besitz von Gräfe und Unzer befindet.

Die Witwe des Sohnes verkaufte 1798 den Betrieb der Hartungschen Buchhandlung an den Pfarrersohn August Wilhelm Unzer (8. 1. 1770 – 1. 1. 1847) und seinen Partner Johann Philipp Göbbels. Göbbels schied nach zehn Jahren aus. Heinrich Eduard Gräfe (10. 1. 1799 – 23. 8. 1867) aus Hamburg heiratete die Tochter von Unzer und trat in die Firma ein. 1832 übergab August Wilhelm Unzer die Führung des Unternehmens an seinen Sohn Johann Otto und seinen Schwiegersohn Gräfe und seitdem führt die Buchhandlung den Namen Gräfe und Unzer.

1902 wurde Otto Paetsch aus Rastenburg Teilhaber von Gräfe und Unzer. Er erwarb das Haus am Paradeplatz 6 gegenüber der Universität, wo die Buchhandlung als „Haus der Bücher“ als unangefochtener Marktführer erfolgreich war. Nachfolger von Otto Paetsch wurde 1927 Bernhard Koch, sein Schwiegersohn. Er schaffte es, dass Gräfe und Unzer nach der totalen Zerstörung in Königsberg 1944 in München und Garmisch-Partenkirchen neu entstehen und unter dem alten Namen weiter existieren konnte. Im Sommer 2022 feierte man das 300jährige Firmenjubiläum.