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Willkischken im Memelland

15.03.2012

Auf der Landstraße von Heydekrug nach Georgenburg staunt man ein wenig, wenn sich vor Lompönen die sonst flache Landschaft des Memellandes plötzlich in ein Hügelland verwandelt. Es geht mal auf, mal ab, und dies wiederholt sich, bis man Willkischken passiert hat und an der Jura bei Motzkischken wieder das Flachland erreicht. Die Umgebung von Willkischken ist wahrscheinlich die einzige Hügellandschaft des Memellandes und liegt im Zentrum des sogenannten "Willkischkener Höhenzuges", entstanden nach dem Rückzug der Gletscher in der letzten Eiszeit. Manche Hügel sind recht hoch und bieten dem Wanderer eine schöne Aussicht in ferne Weiten. Nicht umsonst nennt man die Landschaft rund um Willkischken auch "die kleine litauische Schweiz". Von jeder größeren Anhöhe sind Richtung Südwesten die Schornsteine von Tilsit und Ragnit zu sehen. Nun aber möchte ich auf den Ort Willkischken und seine Geschichte zurückblicken.


WiIIkischken ist eine alte Siedlung, gegründet im Lande der Schalauer-Prussen. Man vermutet, daß die Umgebung vo Ragnit, Schreitlaugken und Willkischken den Kern des Schalauerlandes bildete. Eine nordwestlich von Willkischken entdeckte Grabstätte mit Funden aus dem 1. - 11. Jahrhundert gibt ebenfalls Zeugnis von der reichen Geschichte.
In Willkischken kreuzen sich die schon früher wichtigen Handelswege aus allen Himmelsrichtungen. Von Westen nach Osten verläuft die Straße von Pogegen nach Lompönen und Wischwill weiter nach Georgenburg. Südlich führt der Weg Richtung Memelfluß zum Dorf Schreitlaugken, wo die Mauern der einstigen großen Alkoholbrennerei erhalten geblieben sind. Hier war dann auch die Fährverbindung zur einstigen Kreisstadt "Ragnit". Richtung Norden führte der Weg zwischen Groszpelken und Laugszargen zur Landstraße Tilsit-Tauroggen. Ein Wanderer sollte am berühmten Gutshaus Ablenken vorbeischauen, das sein majestätisches Aussehen schon längst verloren hat. Drinnen sind noch die authentische Holztreppe und kaum lesbare Inschriften und Zeichen des Geschlechts der Gutsbesitzer erhalten geblieben. Direkt neben der Straße gab es hier einen Teich mit Wassermühle, die noch in der Sowjetzeit funktionierte.


Nahe Willkischken liegt auch am Waldesrand von Schreitlaugken das Dorf Wahlenthal mit einigen architektonisch interessanten Bauten.


Die erste Kirche von Willkischken wurde um 1560 errichtet und brannte während des Siebenjährigen Krieges nieder. 1771 wurde eine neue Kirche erbaut an deren Stelle seit 1895-1898 die jetzige neugotische Backstein-Kirche steht. In der Sowjetzeit diente die Kirche als Getreidespeicher und Mühle. Die Kirche hatte keine Turmspitze mehr. Dank der Bemühungen der Landsleute in Deutschland gewinnt die Kirche allmählich ihr früheres Aussehen wieder. Der Turm mit dem Kreuz wurde wieder errichtet, das Dach erneuert, die Fenster neu verglast, die Türen restauriert und durch Granaten beschädigte Wände instand gesetzt. Dank einer norddeutschen Gemeinde erklingt die Orgel in der Kirche wieder. Hier sollte man Herrn Werner Boes und Frau Waltraut Boes, geb. Hoffmeister, Elli Schacht, geb. Faeckensted, Herbert Meyer, Rudolf Zaber und viele andere erwähnen, die sich aktiv um die Kirche und humanitäre Hilfe kümmern.


Gesondert erwähnen möchte ich Frau Anna Blankiene, die in Wlllkischken lebt und viel über die Geschichte und Menschen des Städtchens und seiner Umgebung erzählen kann.


Im Zentrum von Willkischken, neben der Straße, steht das von alten Bäumen umringte Denkmal für die Opfer des Krieges von 1914 bis 1918. Dank der Bemühungen der Landsleute wurde es erneuert. Auf seiner Gedenktafel sind folgende Worte zu lesen: "Zum Gedenken an alle Toten der Kriege, der Vertreibung und fern der Heimat! Kirchengemeinde Willkischken.


Im 18. Jahrhundert siedelten sich in der Gegend von Willkischken einige hunderte Glaubens- flüchtlinge aus Salzburg und der Pfalz an. Hier fanden sie ihre neue Heimat. Weit bekannt waren damals die Familiennamen Hoyer, Teubler, Schöler u.a. Im Zentrum von Willkischken wurde ein Denkmal aus schwarzem Holz mit folgender Inschrift errrichtet: "Zum Gedenken an die Salzburger Protestanten, die im 18. Jh. hier an der Memel die neue Heimat gefunden haben". Mein Elternhaus im Dorf Sodehnen gehörte ebenfalls der Familie Hoyer. Auf dem Sodehner Friedhof ist ein Grabkreuz mit der Inschrift "Emil Hoyer, 22. Dez. 1882-12. Sept. 1927" verblieben.


Willkischken ist der Handlungsort im Roman "Litauische Klaviere" von Johannes Bobrowski. Als Wehrmachtssoldat 1939-1945 heiratete er die Bauerntochter Johanna Buddrus aus Motzkischken hier in der Kirche.

Durch Willkischken verlief auch die Kleinbahn Tilsit-Schmalleningken. Die Hügel bereiteten manchmal Schwierigkeiten für den Kleinbahn-Betrieb. Mehrmals mußten die Männer aussteigen und schieben.

Vor dem Krieg war Willkischken ein ruhiges, im Grün der Bäume eingetauchtes Städtchen. Hier gab es eine Schule, große Molkerei und ein Gestüt auf dem Gut. Willkischken war durch aktive Tätigkeit von Frauen-, Landwirtschafts- und Feuerwehr- vereinen bekannt. Das Städtchen hatte auch sein eigenes Blasorchester.


Von den Grausamkeiten der Geschichte blieb Willkischken nicht verschont. Das Städtchen wurde von zwei Pestepidemien heimgesucht, durch den Preußisch-Schwedischen Krieg 1678-1619 und den Brand 1757 verwüstet. Dennoch sind heute Bauten erhalten geblieben, die an einstige Schönheit dieses Ortes erinnern. Es sind die Molkerei, das Haus der Familie Eppststein - heute die katholische Kirche, das Gutshaus, das alte Schulgebäude u.a. Das restaurierte alte Gasthaus "Pechbrenner" beherbergt heute das Hotel "Lavirga". Der schönste Blick auf den Ort bietet sich jedoch von der Anhöhe an der östlichen Seite, neben dem neuen Friedhof. Hier beginnen die Wiesen am Fluß Jura.

Kestutis Tolvaisa

Kirche in Willkischken (Kestutis Tolvaisa)
Vorkriegsbild der Kirche in Willkischken (Werner Boes)
 
 
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