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Erinnerung an Hermann Ganswindt, den Erfinder des Hubschraubers

27.10.2018

Hermann Ganswindt (12. 6. 1856 - 25. 10. 1934) wurde in Voigtshof bei Seeburg,heute Jesoriany, als Sohn eines Mühlenbesitzers geboren. Von der Mühle wurde gleichzeitig eine Werkstatt für technische Versuche unterhalten, und das wirkte auf den Heranwachsenden offenbar sehr anregend. Schon als Gymnasiast entwarf er eine von ihm "Weltenfahrzeug" genannte Rakete. Zunächst studierte er Jura, dann Physik, wurde aber exmatrikuliert, weil er die Vorlesungen schwänzte. Bereits 1881 hielt er einen Vortrag über ein Raumfahrzeug. Ab 1884 plante er seinen Hubschrauber, der die Rakete in die oberen Luftschichten schleppen sollte, und dazu baute er von 1888 bis 1890 ein eisernes Modell. Trotz eines positiven Gutachtens von General von Schlieffen konnte sich Ganswindt mit seinen Projekten nicht durchsetzen und geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Er hielt sich mit Musikdarbietungen und –unterricht über Wasser, hörte dabei aber nicht auf, Neues zu ersinnen – Raketen mit Rückstoßantrieb nach dem Zwei-Stufen-Prinzip, lenkbare Luftschiffe und Details für einen funktionierenden Hubschrauber. Im Juli 1901 stieg Ganswindts Hubschrauber in Schöneberg erstmals auf - es war das erste Motorflugzeug in der Geschichte der Menschheit überhaupt. Es erhob sich aus eigener Kraft einige Sekunden mit zwei Personen im Korb und sank wieder sanft zur Erde zurück.

Allerdings preschte Ganswindt als Geschäftsmann zu schnell nach vorn, indem er Zinsbögen mit Zinscoupons als Anteilscheine an dem zu erwartenden Gewinn aus seiner Erfindung verkaufte. Außerdem hatte er zugesagt, für je hundert Mark und je tausend Mark die dreifachen Beträge "bei dem zu erwartenden Reingewinn" zurückzuzahlen. Die Zinsbogen zu den Anteilschuldscheinen waren bereits bis zum März 1905 ausgefertigt, und der Talon berechtigte zur eventuellen Einlösung eines neuen Zinsbogens vom 1. April 1905 an. All das wurde ihm als Betrug angelastet. Am 17. April 1902 wurde Ganswindt durch Beschluss des Untersuchungsrichters beim Königlichen Landgericht II wegen Verdachts fortgesetzten Betrugs verhaftet und am nächsten Tag in das Untersuchungsgefängnis Moabit überführt. Sein Betrieb wurde geschlossen und geriet in Konkurs.

Vom Gericht eingeholte Gutachten bestätigten die Funktionsfähigkeit des neuen Flugapparates, aber Ganswindt wurde ein Verfemter. Als er am 12. Juni 1902 nach acht Wochen Haft entlassen wurde, war sein Lebenswerk ruiniert. Bei einem von ihm angestrengten Rehabilitierungsprozess verschwanden 1904 alle Prozessakten. Ganswindt musste einen Offenbarungseid leisten und von der Wohlfahrt leben. Es brachte auch nicht mehr als vielleicht Genugtuung, dass der ermittelnde Kriminalkommissar 1906 wegen erwiesener Bestechlichkeit ins Gefängnis wanderte. Ob der Pressemagnat Mosse, die Konkurrenz aus der Fahrradindustrie oder ganz andere Feinde hinter der Zerstörung von Ganswindts Existenz standen, konnte bis heute nicht geklärt werden. 1912 starb seine Frau, die ihm zehn Kindern hinterließ. 1913 musste er sein Terrain in Schöneberg aufgeben. Der Flugapparat wurde bei Zossen eingelagert und dort während des Ersten Weltkriegs gestohlen.

In den 1920er Jahren erfuhr er dann doch noch eine späte Anerkennung in den Kreisen der Wissenschaft als Vorkämpfer der Raumfahrt. Einer seiner Söhne arbeitete später an Wernher von Brauns Weltraumprogramm mit. Das Bezirksamt Schöneberg von Berlin beschloß 1975, einer Autobahnbrücke den Namen ,Hermann-Ganswindt-Brücke' zu geben, weil der um die Jahrhundertwende an gleicher Stelle seinen Erfindergeist zu Schau gestellt hatte. Auch ein Krater auf der Rückseite des Monds, gelegen zwischen dem 100. und dem 110. Längengrad und dem 76. und dem 80. Breitengrad, trägt seinen Namen.

 
 
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