Ostpreußen

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Geschichte der Stadt Gumbinnen an der Pissa

Bei Gumbinnen bis in den Kreis Stallupönen findet sich der nach dem Gebiet der Litauischen Niederung fruchtbarste Ackerboden der Provinz Ostpreußen. Bis in die Zeit um 1700 war Gumbinnen aber ein kleines Nest und hatte nur wenige Gehöfte. Eine erste Kirche, zunächst als Fachwerk-Wehrkirche, soll unter Herzog Albrecht 1545 gebaut worden sein. Seit etwa 1550 benutzt man den Namen „Gumbinnen“, der 1578 erstmals in einer Urkunde auftaucht. Erster bekannter Pfarrer ist Alexander Rohd.

Nachdem jedoch die Große Pest 1709 – 1711 große Teile Ostpreußens entvölkert hatte, wurde Gumbinnen das Organisationszentrum für die Neubesiedlung, das „Retablissement“ Friedrich Wilhelms I. Der König richtete 1723 hier die „Litauische Deputation“ für die Verwaltung des östlichen, litauischen Teils von Preußen ein, aus der 1736 die Kriegs- und Domänenkammer und 1816 die Regierung hervorging. Damit ist Gumbinnen seit 1724 Regierungssitz. Erster Präsident war Matthias Christoph von Bredow. Als Sitz der Regierung entwarf Joachim Ludwig Schultheiß von Unfried ein „Conferenzgebäude“, das 1727 gebaut wurde.

1724 erhob der König Gumbinnen zur Stadt. In der Folgezeit wurde deren Entwicklung geprägt durch die Einwanderung von Glaubensflüchtlingen aus Salzburg, Hugenotten aus Frankreich, Calvinisten aus der Schweiz und von Mennoniten aus Holland, aber auch von Zuwanderern aus Schottland, Litauen, Polen und aus verschiedenen deutschen Fürstentümern. Gumbinnen wurde zum Regierungssitz für den östlichsten Regierungsbezirk des Deutschen Reichs bis 1945 mit etlichen Behörden und einer Garnison und war demzufolge eine stark von Beamten geprägte Stadt.

Zwischen 1730 und 1740 wurden alle Hauptstrassen Gumbinnens gepflastert, vornehmlich auf Staatskosten. Wie streng man in Preußen die Veruntreuung von Staatsgeldern ahndete, ist ebenfalls aus dieser Zeit überliefert. Der Kriegs- und Domänenrat von Schlubhut, der beim Bau seines Hauses in Gumbinnen, zu dem ihn der König gedrängt hatte, in finanzielle Schwierigkeiten geriet, lieh sich entgegen den Vorschriften Geld aus der Staatskasse. Dafür wurde er am 25. August 1731 in Königsberg exekutiert.

1812 lagerte hier der Hauptteil der französischen Armee auf dem Weg nach Moskau und Napoleon selbst verbrachte hier 3 Tage.

Von 1839 – 1845 war Carl Gustav Friedrich Hasselbach Regierungsrat in Gumbinnen. Dieser Beamte steht in den Annalen als einer der herausragenden Bürgermeister von Magdeburg, der diese Stadt von 1851 – 1881 regierte und so erfolgreich wirkte, dass man heute noch einen zentralen Platz nach ihm benannte und einem Brunnen seinen Namen gab.

Um die Landwirtschaft zu fördern, richtete man im 19. Jh. in Ostpreußen „landwirtschaftliche Winterschulen“ ein, die später schlicht „landwirtschaftliche Schulen” genannt wurden. Zu Beginn des 1. Weltkriegs gab es 19 landwirtschaftliche Schulen in Ostpreußen, doch die erste wurde 1874 in Gumbinnen gegründet. Der Unterricht erstreckte sich nach dem 1. Weltkrieg über zwei Winterhalbjahre. Neben allgemeinbildenden Fächern gab es spezifische Unterrichtsschwerpunkte in Bodenkunde, Pflanzenanbau, Tierzüchtung, Haltung von Haustieren, Tierheilkunde, Betriebslehre, Geschäftsverkehr, Buchführung, Gesetzes- und Verwaltungskunde.[1]

Am 20. August 1914 fand bei Gumbinnen eine Schlacht statt, an der 200.000 russische Soldaten unter General Paul Karlowitsch Edler von Rennenkampf einer Streitmacht von 150.000 Preußen gegenüber standen, die von General von Prittwitz befehligt wurde. Die Preußen unterlagen, was General v. Prittwitz veranlasste, sich zurückzuziehen und Ostpreußen aufzugeben. Das führte zu seiner Ablösung. Er wurde durch den reaktivierten General von Hindenburg ersetzt, der von General Ludendorff als Generalstabchef unterstützt wurde. Gleichzeitig nutzte General Samsonow die günstige Gelegenheit, im Süden Ostpreußens vorzustoßen, wo diese russische Armee dann von General v. Hindenburg in einer Kesselschlacht vernichtet wurde. Der Sieg bei Gumbinnen erfüllt die Russen auch nach 100 Jahren noch mit Stolz, der u. a darin zum Ausdruck kommt, dass auf dem Schlachtfeld zu diesem Jubiläum eine Gedenkstätte eingeweiht werden soll. Vor der Stadthalle in Kaliningrad – Königsberg steht neuerdings schon mal eine Stele, die elektronisch angibt, wie viel Tage bis zum 20. August 2014 noch vergehen werden.[2]

Seit 1925 wurden sportliche Ostpreußenfahrten mit dem Automobil veranstaltet. Die Strecke führte von Königsberg über Groß Heydekrug, Caspershöfen, Adlig Linkau, Drugehnen, Perteltnicken, Groß Ladtkeim, Palmnicken, Brüsterort, Craam, Neukuhren, Rudau, Laptau, Powunden, Liska Schaaken bis nach Nesselbeck. An diesem Wettbewerb nahm des Öfteren auch der in Gumbinnen ansässige Hans Tanck teil. Er war Generalvertreter des Autoherstellers Auto-Union mit den Marken DKW, Wanderer und Horch. Die Strecke verlief nicht nur über befestigte Straßen, sondern mitunter auf Feldwegen und durch Schlammlöcher. 1935 gingen 453 Fahrer an den Start, aber nur 151 Fahrer kamen ins Ziel. Hans Tanck blieb dabei strafpunktefrei und erzielte auf seinem Auto „Wanderer“ den Siegerpreis.[3]

Am 16. Oktober 1944 warfen 500 russische Flugzeuge tonnenweise Brand- und Sprengbomben auf die Stadt. Am 20. Oktober kamen die sowjetischen Truppen bis auf 7 km an Gumbinnen heran und die Stadt musste geräumt werden. Bei der Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee 1945 wurde Gumbinnen endgültig zu zwei Dritteln zerstört. Seinen neuen russischen Namen erhielt der Ort zu Ehren des im Kampf um Gumbinnen gefallenen Hauptmanns Sergej Iwanowitsch Gusev.[4]

Juden gab es in Gumbinnen ab 1767. Der erste jüdische Mitbürger in Gumbinnen war der der Graveur und Steinschneider Daniel Joel, der das preußische Schutzprivileg erworben hatte. Er besorgte die Einrichtung einer Betstube und die Anlage eines Friedhofs. Das erste Grab wurde am 27. Dezember 1768 für Elias Kiewe aus Krojanke eingeweiht, der während des Besuchs des Jahrmarkts in Darkehmen gestorben war. Zugewanderte Juden aus Krojanke, Flatow und Tütz sorgten für den Absatz der Produkte der neu entstandenen Gumbinner Tuchindustrie nah Polen.[5]

Insbesondere seit dem Preußischen Judengesetz vom 11. März 1812, das den Juden in Preußen die rechtliche Gleichstellung gewährte, zogen etliche Juden auch nach Gumbinnen. 1845 zählte man 53 jüdische Seelen.[6] Mit dem Erstarken der Tuchindustrie im polnischen Lodz wanderten viele zugezogene Gumbinner Juden bald wieder nach dorthin ab. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jhs. gab es wieder eine größere Anzahl Juden in Gumbinnen. 1871 zählte man 137 Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Aus dieser Zeit gibt es Nachrichten über die Synagoge in der Langen Reihe, vis à vis der Rückfront der Neuen Regierung, die möglicherweise durch Umbau und Erweiterung aus der alten Betstube von 1767 hervorging und architektonisch nicht sonderlich spektakulär war[7]. In Folge von Progromen in Russland emigrierten viele russische Juden auch nach Ostpreußen und nach Gumbinnen.[8]

Die Anzahl der jüdischen Bürger in Gumbinnen stieg bis 1932/33 auf 208. Noch im Adressbuch von 1925 findet man einige jüdische Geschäftsleute Jakob Lindenstrauss, Synagogenverwalter, Ältester im Ältestenrat und Betreiber eines 1883 gegründeten Kaufhauses in der Königstrasse 1, das Manufakturgeschäft Heinz Rubinstein in der Königsstrasse 18, das Großtextilgeschäft Dembinski und Söhne in der Königsstrasse 6, den Pferde- und Altmaterialhändler Eugen Gerson in der Friedrichstrasse 13, der Textilkaufmann Lück, erfolgreicher Mittelläufer beim 1. FC Preußen, den Altmaterialhändler Hirsch Wartelski in der Goldaper Str. 13, die Produktenhändler Konitzki in der Wilhelmstrasse 24 und der Goldaper Strasse 22, die Konfektionäre H. Moses und J. Katzki., Königsstrasse 9, Kaufmann Louis Brasch in der Königsstrasse 14, die Pferdehändler Abraham, Max, Isodor und Otto Brilling in der Bismarckstrasse 24, der Kaufmann Joseph Cohn in der Königsstrasse 9, der Kaufmann Max Rodominski in der Königsstrasse 28, Träger des EK 1, Sally Rodominsky und die Hausbesitzerin Rahel Rodominsky in der Königsstrasse 33, der Kaufmann Louis Wolf in der Dammstrasse 6, Träger des EK 1, [9] [11] Im Jahr 2009 fand man noch einige Reste alter Grabsteine des jüdischen Friedhofs, darunter den von Eugen Rau und von Lucie Rau geb. Levy.

Die Juden erlitten in Gumbinnen dasselbe Schicksal wie andernorts auch. Die Synagoge wurde in der Reichspogromnacht durch Brand vernichtet. Wer nicht floh oder ausgewiesen wurde, wurde ermordet, und nur wenig erinnert an sie. Bekannt ist allerdings das Schicksal von Max Finkelstein und Jerry Lindenstrauss (siehe unter Prominente Gumbinner).

Der Organist Arthur Altmann (7. 2. 1873 – ) wurde als ältester von drei Söhnen einer jüdischen Familie in Gumbinnen geboren. Um die Wende zum 20.Jh. absolvierte er ein Musikstudium in Köln. Ab 1901 war er in Königsberg ansässig, konvertierte zum christlichen Glauben und wirkte als Schulmusiklehrer, Organist, Chorleiter, Komponist und Musikschriftsteller. Er war Lehrer am Königsberger Konservatorium, an der Musikalischen Akademie und an einem Lyzeum, leitete die Altmannsche Madrigalvereinigung und war Organist an der Burgkirche. Die Nationalsozialisten erwirkten 1935 seine Vertreibung aus allen musikalischen Ämtern. Er war verheiratet, aber kinderlos. Als am Anfang der 1940er Jahre die Repression der Juden immer stärker wurde, zog er in ein samländisches Dorf in Küstennähe um und dann verliert sich die Spur seines Lebens.[10]

In Gumbinnen hatte die spätere Firmenchefin von ARWA, Ursula Thierfelder (20. 5. 1923 – 26. 8. 2000), ihre familiären Wurzeln. Geboren wurde sie in Gumbinnen als Tochter des Automechanikers Heinz Thies. Ihr Großvater August Thies (geb. 1860) stammte aus Judtschen/Kanthausen und heiratete 1889 in Stettin Elisabeth Strüwing, die Nachfahrin eines schwedischen Adelsgeschlechts. Ursula besuchte die Cäcilienschule in Gumbinnen und ein Internat in Insterburg und wollte Modedesignerin werden. Der Krieg brachte aber alles durcheinander. Nach der Flucht lernte sie in Berlin den Strumpffabrikanten Hans Thierfelder (1913 – 1987) kennen und die beiden heirateten. Die Familie des Mannes besaß eine Produktionsanlage in Chemnitz, wo Vater Paul Thierfelder den Strumpf erfunden hatte, den man in einem Arbeitsgang herstellen konnte. Diese Fabrik wurde enteignet. In den Westen übergesiedelt errichtete Hans Thierfelder in Bischofswiesen bei Berchtesgaden die ARWA-Strumpfwerke. Der Name bezog sich auf die Anfangsbuchstaben des Großvaters und seines Sitzes, August Robert Wieland in Auerbach im Erzgebirge, der bereits erfolgreich Strümpfe produziert hatte. Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit brachte auch der neuen Strumpffabrik mit ihren modernen Perlonstrümpfen eine stürmische Entwicklung. 1953 galt sie als größte deutsche Feinstrumpffabrik mit einem Marktanteil von 20 Prozent und einer Produktion von 10 Millionen Paar Strümpfen pro Jahr. Ursula Thierfelder trug mit ihrem Verkaufstalent viel zum Erfolg des Unternehmens bei. Nach dem Tod ihres Mannes verkaufte sie das Unternehmen und zog sich ins Privatleben zurück. Sie wurde neben ihrem Mann in Bischofswiesen begraben.[12]

Der dynamische Bürgermeister Nikolaj Zukanow, Inhaber der Firma „Amatel“, der das Gebäude der Neuen Regierung gekauft hat, kümmert sich persönlich um das Erscheinungsbild der Stadt und sucht Wege, die noch vorhandene deutsche Architektur zu erhalten. In Verfolg dieser Absicht hat er den Bremer Architekten Edward Stura, der als Professor am Nordwest-Niedersachsen-Institut tätig ist, zur Begutachtung eingeladen. “Trotz der Tatsache, dass die meisten Gebäude in unserer Stadt neu gebaut sind”, sagt Nikolai Nikolaiewitsch Zukanow, “möchten wir gerne den ursprünglichen architektonischen Stil der Stadt beibehalten: die Häuserfassaden restaurieren, dem Zentralplatz unserer Stadt einen einheitlichen Baustil verleihen. Deshalb haben wir Herrn Stura gebeten, uns als Berater dabei behilflich zu sein.” – und der Professor hat vorgeschlagen, zunächst die noch in größerem Umfang vorhandene Bausubstanz in der einstigen Bismarckstrasse zu restaurieren. Allerdings benötigt man dafür erhebliche finanzielle Einsätze und nach denen wird gesucht. Die Verschönerung des Platzes, auf dem heute der Gumbinner Elch steht, ist auch ein Beitrag in dieser Richtung.

Daneben gibt es auf kommunaler Ebene Hilfen von der Partnerstadt Bielefeld, die z. B. Straßenlaternen und ein Feuerwehrauto gespendet hat.



[1] H. K., Vor 90 Jahren wurde die Landwirtschaftsschule in Neidenburg gegründet, Neidenburger Heimatbrief, Pfingsten 1997, S. 30)
[2] Jurij Tschernyschew, Russen feiern zweifelhaften Sieg, Oprbl. Nr. 49/2013 (7. Dezember), s. 13
[3] Brigitte Stramm, von tohus, Nr. 74, S. 27 ff, kommentiert in Unser schönes Samland, Frühjahr 2015, S. 76 f
[4] Gumbinner Heimatbrief, Dez. 2008, S. 113/31
[5] Dr. Friedrich-Eberhard Hahn, Gumbinner Heimatbrief Juni 2013, S. 57
[6] Kleine statistische Notizen der israelitischen Gemeinde in Gumbinnen vom Jahre 1765 – 1845, Gumbinnen 1845 – in Kopie 2011 von Karin Banse aus New York mitgebracht, S. 26
[7] Karin Banse, Eine Suche ohne und mit Erfolg, Gumbinner Heimatbrief Dezember 2009, S. 49
[8] Dr. Friedrich-Eberhard Hahn, Gumbinner Heimatbrief Juni 2013, S. 57
[9] Adolf Diamant in Deutsch-Jüdische Zeitung vom 31. 3. 1978, abgedruckt in Heimatbrief Gumbinnen, Dez. 2009, S. 46 f, Dr. Friedrich-Eberhard Hahn, Gumbinner Heimatbrief Juni 2013, S. 58
[10] Prof. Hans Huchzermeyer in Ostpreußische Familie von Ruth Gaede, Oprbl. Nr. 49/2016 (9. Dezember), S. 14
[11] Horst Deutschmann, 80 Jahre nach der Progromnacht, Geumbiner Heimatbrief, Dezember 2018, S. 23/24
[12] Siegfried Schmidt, Ursula Thierfelder geb. Thies aus Gumbinnen. Die Geschichte eines großen Unternehmens: ARWA, Gumbinner Heimatbrief Dez. 2006, S. 71 ff


Gerd Siemoneit-Barum

Das vorliegende Buch beruht auf einer Idee von Mit-Autor Robert Griesbeck, der im Rahmen eines anderen Auftrages den Zirkus-Direktor kennenlernte und während des Gesprächs immer mehr den Eindruck hatte, dass dessen Erfahrungen keineswegs nur für die Zirkus-Manege gültig seien. Aus dieser Erkenntnis wurde nun ein Buch, das tatsächlich faszinierende Parallelen zwischen dem menschlichen Miteinander und dem Verhalten in der Raubtier-Manege aufzeigt. (aus Preußische Allgemeine Zeitung Nr. 39/2007, S. 12)

Der große Marsch der Salzburger Exulanten November 1731

ISBN:*978-3-86237-235-5; www.projekte-verlag.de, 440 Seiten, als Paperback 15 €

Das Buch:*Euch ein neues Vaterland*

Wir schreiben das Jahr 1731. Im Salzburger Land hat sich die
Feindseligkeit gegenüber den Lutheranern unter Bischof Firmian
erheblich verschärft. Als seine Bekehrungsmaßnahmen erfolglos
bleiben und die Gefängnisse überfüllt sind, verweist er die
Protestanten des Landes, zerreißt Familien, behält Kinder unter
zwölf Jahren zurück und lässt für über 20.000 Menschen eine grausame
Vertreibungsgeschichte beginnen.
Brigitte Günthers Roman fängt die Stimmung dieser Zeit ein: Bittere
Kälte, Krankheit und Hunger quälen die Emigranten, die entgegen dem
Westfälischen Frieden gezwungen werden, innerhalb kürzester Zeit das
Land zu verlassen. Die erste Gruppe muss bereits im November 1731
den Marsch ins Ungewisse antreten. Ihr unerschütterlicher Glaube
gibt den Salzburger Exulanten die Kraft, die seelischen und
körperlichen Strapazen zu überwinden.
Einfühlsam begleitet die Autorin diese Vertriebenen auf ihrem
Elendsweg von Salzburg nach Ostpreußen, lässt einzelne menschliche
Schicksale lebendig werden und immer wieder liebevolle Nähe zur
Bevölkerung entstehen.

Die Autorin: *Brigitte Günther*

Brigitte Günther wurde 1948 in Kempten im Allgäu geboren. Bis zu
ihrem Ruhestand arbeitete sie im Lehrberuf. Als langjährige Autorin
von Reiseführern ist sie für einen Verlag tätig. Daneben verfasst
sie Erzählungen und Reportagen für Anthologien und Zeitschriften.
/Euch ein neues Vaterland/ist nach dem erzählenden Dokumentarbericht
über eine Fahrradtour zum Schwarzen Meer und dem Familienroman /Der
Vogelschrank/ ihr neuestes Werk. Ihre Suche nach den eigenen Wurzeln
ging mit dem Wunsch einher, Vergangenes festzuhalten, ehe es
verblasst. Bei ihren Forschungen über das Leben der Ahnen entdeckte
sie mehr und mehr ihre Begeisterung für längst zurückliegende
Zeitabschnitte. Die Spurensuche über die Vorfahren mündete
letztendlich in eine akribische Recherche, die den Grundstock legte
zu dem vorliegenden Roman.
Brigitte Günther lebt und schreibt in Sonthofen im Allgäu.

Jude, Gringo, Deutscher. Das abtenteuerliche Leben des Werner Max Finkelstein

von Kerstin Emma Schirp

ISBN 3-8311-4166-5

Von Ostpreußen über Schanghai und Kolumbien nach New York

ISBN 3-89649-441-4

Christa Malitz-Picard - Unfreiwillige Wege - Auf den Spuren der Familie Trinker

Christa Malitz-Picard recherchierte im Internet, wälzte Steuertabellen, Statistiken und Register in den Archiven von Leipzig, Berlin und Salzburg und fuhr zu zwei Bauernhöfen im Salzburger Land. Dort, mehr als 1000 Meter hoch, begann die Geschichte der Familie Trinker, die innerhalb von 200 Jahren zweimal zu einer Geschichte von Vertreibung, Flucht und Zusammenhalt werden sollte.

Im Jahr 1731 mussten die unbeugsam protestantischen Familien Höfe und Heimat verlassen, nur mit dem, was sie tragen oder, wenn besser situiert, auf ein Pferdegespann laden konnten. Preußen nahm die sogenannten Exulanten auf und siedelte sie im von Krieg und Pest stark entvölkerten Ostpreußen an. Beim Übertritt aus dem Salzburger Land ins Preußische wurden aus den Drinkhers die Trinkers. Aus den Stammbäumen ihrer Vorfahren, aus dem Archiv- und Internetwissen sowie aus Bildbänden mit historischen Kupferstichen und Geschichtsbüchern entstanden jene Familienmitglieder, anhand derer sie dieses Stück Zeitgeschichte lebensnah erzählt. Oftmals aus Sicht der Frauen.

Nicht nur Familiäres bietet das Buch. Es gewährt Einblicke in die Denkweisen der Zeit im Hinblick auf Bildungschancen für Mädchen. Es erzählt von den Schulgründungen der Salzburger und der schleichenden Verdrängung der polnischen Sprache aus dem öffentlichen Leben Ostpreußens und gipfelt im Zweiten Weltkrieg.

Die Familie Trinker hat vollständig die Flucht aus Ostpreußen überlebt. In Schleswig-Holstein fand sie wieder eine Heimat. Dort treffen sich regelmäßig etwa 50 von 200 Trinkers.

Christa Malitz-Picard: “Unfreiwillige Wege – Auf den Spuren der Familie Trinker”, Schardt Verlag Oldenburg, 15 Euro

Kerstin Emma Schirp "Jude, Gringo, Deutscher"

KLAPPENTEXT

Werner Max Finkelstein wurde 1925 in Gumbinnen (Ostpreußen) geboren. Mit zehn Jahren zog er nach Berlin und verließ Deutschland 1939 mit einem Kindertransport in Richtung Schweden. Als Fühnfzehnjährgiger machte er sich alleine auf eine abenteuerliche Reise, um per Schiff und Bahn zu seiner inzwischen in Bolivien lebenden Mutter zu gelangen. Hier schlug er sich einige Jahre als Krokodiljäger, Gefängnisaufseher und Minenarbeiter durch. 1948 gelangte er über die “grüne Grenze” nach Argentinien. Er wurde Journalist und leitete auch in den Zeiten der Militärdiktatur und Hyperinflation die letzte deutschsprachige Emigrantenzeitung Lateinamerikas. In der Redaktion lernte er seine 49 Jahre jüngere Frau kennen, mit der er 1999 nach sechs Jahrzehnten der Emigration nach Berlin zurückkehrte. Max Finkelstein starb hier am 24. Januar 2012.

Paul Brock, Die Salzburger in Ostpreußen

Vor inzwischen mehr als 40 Jahren hat die damalige Kulturabteilung der Landsmannschaft Ostpreußen diese 52-seitige Broschüre des Schriftstellers Paul Brock herausgegeben. Sie enthält – ergänzt durch Illustrationen – eine hervorragende Zusammenfassung der Geschichte der Salzburger in Ostpreußen und auch das Gedicht “Meinen Salzburger Ahnen” von Agnes Miegel

Erhard Roy Wiehn (Herausg.) "Überall nicht zu Hause"

Jüdische Schicksale im 20. Jahrhundert. Gespräche mit Überlebenden in Konstanz.
Hartung-Gorre-Verlag 1999, ISBN 3-89649-441-4

Darunter: “Von Ostpreußen über Sahnghai und Kolumbien nach New Xork. Jüdische Familiengeschichte 1929 – 1999” von Jerry Lindenstrauss

George Turner "Die Heimat nehmen wir mit"

Der Autor, Universitätsprofessor und Wissenschaftspolitiker, schlägt einen großen Bogen und schildert, wie seine Familie gezwungen wurde, ihre Heimat im Salzburger Land im Jahr 1732 aus Glaubensgründen zu verlassen, wie sie in den folgenden mehr als 200 Jahren in Ostpreußen von keinem der Kriegsereignisse verschont geblieben ist, wie sie schließlich auch aus dieser inzwischen zur Heimat gewordenen Region vertrieben und in alle Winde verstreut wurde und versucht hat, wieder Wurzeln zu schlagen. Dabei lässt er gleichaltrige Verwandte zu Wort kommen, die – wie er – die Flucht der Jahre 1944/45 als Kinder oder Jugendliche über sich haben ergehen lassen müssen und macht persönliche Berichte aus Nachlässen der älteren Generation zugänglich, die Vertreibung und Neuanfang als Erwachsene erlebt haben. „Das Bemerkenswerte und besonders Liebenswürdige ist die Vielstimmigkeit“ urteilt Ulla Lachauer, eine exzellente Kennerin des Nördlichen Ostpreußens, in ihrer Einführung. Entstanden ist keine reine Familiengeschichte, vielmehr wird diese in den „Brennpunkt der Politik“ gestellt, wie der Deutsche Ostdienst in seiner Besprechung schreibt. Das Organ betont, dass in der Darstellung den Zahlen und Fakten „Leben eingehaucht“ werde. Das sieht auch Hermann Rudolph so, wenn er im Tagesspiegel hervorhebt, dass die Familiengeschichte „ein Kapitel europäischer Sozial- und Migrationsgeschichte enthält“. So ist das Buch ein Dokument mit vielen Querverbindungen zu politisch-historischen Ereignissen, wobei Schwerpunkte das Geschehen um die Religionsflüchtlinge des Jahres 1732 und der Kriegsflüchtlinge 1944/45 sind. Einblicke in das bäuerliche Leben, die Situation in dem infolge des Versailler Vertrages vom Reich abgeschnittenen Ostpreußen und Rückbesinnungen auf die Ereignisse 1914/15 vermitteln ein lebendiges Bild einer Welt, die untergegangen ist. Gelungen ist dabei die Einordnung täglicher Erfahrungen in größere Zusammenhänge. Flucht und Überleben bilden den Tenor. Dabei ist die Darstellung von bemerkenswerter Objektivität und enthält keine Ressentiments. Gelegentlich spürt man sogar ein Augenzwinkern, was die Lektüre neben dem Gewinn an Erkenntnis zusätzlich bereichert.

George Turner ist em. o. Prof., Dr. iur., geb. 1935 in Insterburg/Ostpr. Er war Universitätspräsident (Hohenheim 1970–86), Präsident der Rektorenkonferenz (Bonn 1979–83) und parteiloser Senator für Wissenschaft und Forschung in Berlin (1986–89). Von 1989–2000 bekleidete er einen Lehrstuhl für Rechtswissenschaft an der Universität Hohenheim und nahm eine Gastprofessur an der Humboldt-Universität zu Berlin wahr.

(Verlagstext)

Familiennamen ostpreußischer Salzburger
Bestände der ev. Kirchenbücher aus dem Reg.-Bezirk Gumbinnen
SalzburgerEmigranten · Salzburger Emigration von 1731/32

In dieser Austausch- u. Informationsliste beschäftigen sich die Teilnehmer mit Geschichts- u. Familienforschung im Zusammenhang mit der Salzburger Emigration von 1731/32 sowie den Salzburger Emigranten u. ihren Nachkommen und Vorfahren

Website: http://de.groups.yahoo.com/group/SalzburgerEmigranten/

200 Jahre Garnisonstadt Gumbinnen (1739-1939)

Bearbeitet von Dr. Wolf – Gumbinnen: Krausenecks Verlag und Buchdruckerei K.=G., 1939
http://prussia.online/Data/Book/20/200-jahre/200%20Jahre%20Garnison%20Gumbinnen.pdf

G. Hermann

Meine Vaterstadt Gumbinnen vor 50 und etlichen Jahren. Ein Buch ohne Politik, aber mit Scherz und Ernst, •Gumbinnen: C. Sterzels, 1926. – 108 S.
http://prussia.online/Data/Book/me/meine-vaterstadt-vor-50-und-etlichen-jahren-ein-buch-ohne-politik-aber-mit-scherz-und-ernst/Meine%20Vaterstadt%20Gumbinnen.pdf

O. Schmidt

Gumbinnen als Ausgangspunkt deutscher Tat in litauischer Wildnis
Gumbinnen: Rudolph Hinz Buchhandlung, 1924
http://prussia.online/Data/Book/gu/gumbinnen-als-ausgangspunkt-deutscher-tat-in-litauischer-wildnis/Gumbinnen%20als%20Ausgangspunkt…1924%20O.%20Schmidt.pdf

R. Engels

Die preussische Verwaltung von Kammer und Regierung Gumbinnen (1724-1870)
Studien zur Geschichte Preussens. Band 20; Köln; Berlin: Grote, 1974. – 182 S.,
ISBN: 9783774563261, 3-7745-6326-8
http://prussia.online/Data/Book/di/die-preussische-verwaltung-von-kammer-und-regierung-gumbinnen/Engels%20R.%20Die%20preussische%20Verwaltung%20von%20Kammer%20und%20Regierung%20Gumbinnen%20(1974).pdf

Dietrich Goldbeck "Aus dem Leben in Gumbinnen"

Einzeldarstellungen uber zweihundert Jahre Ortsgeschichte
Bielefeld: Kreisgemeinschaft Gumbinnen in der Landsmannschaft Ostpreußen, 1994. – 200 S.
ISBN: 3-925581-13-8
http://prussia.online/Data/Book/au/aus-dem-leben-in-gumbinnen/Aus%20dem%20Leben%20in%20Gumbinnen%20Goldbeck%201994.pdf

Geheimer Kriegsrat Gervais "Gumbinnen"

Historisch-Politisch-Statistische Bemerkungen über diese Stadt neuerer Zeit
Beiträge zur Kunde Preußens. – Königsberg, 1818. – Bd. 1. – S. 177-214.

http://prussia.online/Data/Book/be/beitraege-zur-kunde-preussens-1/Beiträge%20zur%20Kunde%20Preußens.%20Bd.%201%20(1818)%20Google%20v2,%20OCR.pdf

Dr. Gustav Sommerfeldt "Neidenburgs Schreckenstage des Jahres 1807"

Kriegskontributionen in der Franzosenzeit aus den Städten Gumbinnen, Goldap und Stallupönen und den Aemtern Kiauten, Sperling, Königsfelde und Tollmingkehmen, Juni 1807
Zeitschrift der Insterburger Altertumsgesellschaft. – 1901. – Heft 7. – S. 100-106.

http://prussia.online/Data/Book/ne/neidenburgs-schreckenstage-des-jahres-1807/Sommerfeldt%20G.%20Neidenburgs%20Schreckenstage%20des%20jahres%201807.pdf

Bruno Moritz "Geschichte der reformierten Gemeinde Gumbinnen"

Geschichte der reformierten Gemeinde Gumbinnen. Festschrift zum 200 jährigen Bestehen der Kirche 1739–1939. – Sonderdruck aus dem Evangelischen Volksblatt für die Ostmark
Gumbinnen: Ostpreußischer Heimatverlag Reimer, 1939. – 108 S.
http://prussia.online/Data/Book/ge/geschichte-der-reformierten-gemeinde-gumbinnen-festschrift-zum-200jaehrigen-bestehen-der-kirche-1739-1939/Geschichte%20der%20reformierten%20Gemeinde%20Gumbinnen%20Bruno%20Moritz%201939.pdf

Herbert Kerrinnis "Geschichte der Friedrichsschule zu Giumbinnen"

Ein Beirag zur Kultur- und Bildungsgeschichte Ostpreußens
Ostdeutsche Beiträge aus dem Göttinger Arbeitskreis. Band XXVI
Würzburg: Holzner-Verlag, 1963 – 176 S.
http://prussia.online/Data/Book/ge/geschichte-der-friedrichsschule-zu-gumbinnen/Geschichte%20der%20Friedrichsschule%20zu%20Gumbinnen%20Kerrinnis%201939.pdf

Dr. Rudolf Müller "Drei Wovhen russischer Gouverneur"

Erinnerungen an die Besetzung Gumbinnens durch die Russen August-September 1914
Gumbinnen, 1915. – 63 S.
Müller war Professor an der Königl. Friedrichsschule zu Gumbinnen
http://prussia.online/Data/Book/dr/drei-wochen-russischer-gouverneur/Drei%20Wochen%20russischer%20Gouverneur.pdf

Kreisgemeinschaft Gumbinnen - Kreisvertreterin Karin Banse

Karin Banse
Wiesengrund 9
29559 Wrestedt-Wieren
Tel.: 05825 642
e-mail: karin.banse@kreis-gumbinnen.de
http://www.kreis-gumbinnen.de/

Stellvertretender Vorsitzender: Walter Fenselau
Höhenweg 18
31303 Burgdorf
Tel.: 05136-2854
walter@kreis-gumbinnen.de

SALZBURGER VEREIN e.V. - Vereinigung der Nachkommen salzburgischer Emigranten

Präsident: Jürgen Schroeter, Diebweg 5, 35396 Gießen, Telefon / Fax (06 41) 5 15 47, E-Post: JSchroeter44@web.de
05 21 299 44 04 (di. 11 – 15 Uhr), Fax 05 21 299 44 05
Memeler Straße 35
33605
Bielefeld
http://salzburger.homepage.t-online.de

Touristenführer Waldemar Hindemit

Spricht fließend deutsch und chauffiert mit dem eigenen Auto durch die Oblast Kaliningrad
007 401 42 93312

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